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Wirtschaft der Zukunft in Donut-Form

Kennen Sie Donuts? Diese runden Schmalzgebäckkringel mit einem Loch in der Mitte und häufig süßem Überzug? In Comics und Film stürzen sich unter anderem Homer Simpson, Donald Duck oder unzählige US-Polizeibeamte mit Heißhunger auf die Kalorienbomben. Zu neuen Ehren als innovatives Wirtschaftsmodell verhilft jetzt die Oxford-Dozentin Kate Raworth dem Kringel.

Ihr Buch „Die Donut-Ökonomie“ von 2018 ist nicht nur unter dem Nachwuchs der Wirtschaftswissenschaftler ein Bestseller. Auch Umweltaktivisten erkennen darin einen längst fälligen Paradigmenwechsel der zerstörerischen Wachstumsideologie. Das Thema gibt der Untertitel vor: „Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört.“

Kate Raworth weist mit ihrem Donut-Modell als neue Formel einen revolutionären Weg aus der Krise, der Kapitalismus, Ökologie und soziale Grundrechte auf ganz neue Weise zusammenführt. Die Form des Donuts steht dabei sinnbildlich für den sicheren Ort der Menschheit, der überhaupt erst Zukunftsfähigkeit möglich macht.

Der äußere Kreis des Donuts

Der äußere Kreis des Donuts markiert die ökologischen Grenzen, die wir nicht überschreiten dürfen: Klimawandel, Flächenversiegelung, Biodiversitätsverlust, Bodenerosion. Der innere Kreis steht für das soziale Fundament: Zugang zu Nahrung und Wasser, Gerechtigkeit, Frieden, Bildung und ein Dach über dem Kopf. Das Ziel ist, zwischen beiden Grenzen die Balance zu halten.

Das immer deutlichere Missverhältnis der Wirtschaftstheorie mit ihren Rechenmodellen und der realen Situation auf der Welt war es, das Raworth zu dem Buch motiviert hat. Das gibt die Autorin freiweg zu:  „Wie wäre es, wenn wir nicht die etablierten, althergebrachten Theorien an den Anfang der Ökonomie stellen, sondern stattdessen die langfristigen Ziele der Menschheit, und versuchten, ein ökonomisches Denken zu entwickeln, das uns in die Lage versetzt, diese Ziele zu erreichen? Ich machte mich daran, ein Bild dieser Ziele zu zeichnen, das schließlich, so verrückt es klingen mag, wie ein Donut aussah.“

Donut-Ökonomie als dynamisches Modell

Raworth weiß, wovon sie spricht. Die 50-jährige Britin studierte Wirtschaftswissenschaften in Oxford und lernte in 20-jähriger internationaler Projektarbeit für die Vereinten Nationen und die Hilfsorganisation Oxfam die Realitäten in vielen Ländern kennen. Zusätzlich zu ihrer Dozententätigkeit in Cambridge und Oxford forscht die Klimakritikerin aktuell für das Environmental Change Institute der Universität Oxford. Als Gründerin des Doughnut Economics Action Lab (DEAL, seit 2020) setzt sie sich für die Umsetzung der Ideen aus ihrem Buch in konkrete Praktiken ein.

In ihrem weltweiten Bestseller der Donut-Ökonomie macht sich Raworth dafür stark, die Wirtschaftswissenschaften nicht mehr als geschlossenes System zu betrachten. Sie plädiert dafür, die vielfältigen Wechselwirkung zwischen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft in ihrer komplexen gegenseitigen Durchdringung endlich miteinzubeziehen.

Das BIP als überholter Erfolgsgarant

Die Expertin thematisiert die großen wirtschaftspolitischen Themen unserer Zeit – vom Ausgleich von Arbeit- und Lebenszeit, Klimaproblematik, gesellschaftliche Solidarität, Ungleichheit, Debatte um Wachstum und Wohlstand, Verteilung, und Digitalisierung. Die Wirtschaftswissenschaften müssten sich mit den Herausforderungen und Anliegen der heutigen Generationen befassen. Die simplifizierenden theoretischen Annahmen des vergangenen Jahrhunderts seien für zeitgemäße Analysen und die Ausbildung des Nachwuchses in den Führungsetagen nicht mehr anwendbar. Dies habe unter anderem die Finanzkrise 2008 überdeutlich gezeigt.

Als Relikt aus vergangenen Krisenzeiten sei heute beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als alleingültiger Orientierungsmaßstab für wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr zeitgemäß. Für die Messung gegenwärtiger Krisen (Klima, technologischer Wandel, soziale Ungleichheit) brauche es neue Maßstäbe. Das Dogma des ständiges Wachstum als Erfolgsgarant gegen Krisen sei überholt. In der Natur führe dies letztlich zum Untergang, wie das Beispiel der sich maßlos vermehrenden Krebszelle zeige. Statt exponentiellem Wachstum sei vielmehr das Gedeihen der Wirtschaft in Kreisläufen ausschlaggebend.

Ein Kompass für das 21. Jahrhundert

Als verkürztes Zerrbild des allein auf seinen Eigennutz bedachten, in Formeln berechenbaren Menschen brandmarkt Raworth auch den überkommenen Begriff des „homo oeconomicus“. Ursprünglich als vereinfachtes Rechenmodell gedacht, habe dieser als Wertmaßstab des Wirtschaftens die Köpfe der Wirtschaftsführer erobert und die Welt damit an den Rand des Ruins gebracht. Auch hier sieht Raworth dringend Aktualisierungsbedarf. Menschliche Dimensionen wie soziale Orientierung und gegenseitige Abhängigkeit, Sinn für Gerechtigkeit, veränderliche Wertvorstellungen und die Einbettung des Menschen in die Wechselwirkungen mit der Natur seien Tatsachen, die nicht länger geleugnet werden dürften.

Bei der Entwicklung ihres siebenstufigen Denkmodells eines „normativen Kompass für das 21. Jahrhundert“ sieht Raworth eine wichtige Aufgabe darin, überkommene Denkmuster durch neue Bilder und Narrative zu ersetzen. Die Fehlentwicklungen im 20. Jahrhundert vergleicht sie mit Fehlbesetzungen und  falschen Rollenzuweisungen der Mitwirkenden (u.a. Markt, Gesellschaft, Staat, Allmende, Finanzwirtschaft, Unternehmen) in einem Theaterstück.

So habe der Siegeszug des Neoliberalismus etwa erst durch Politiker wie Margareth Thatcher und Ronald Reagan Fahrt aufnehmen können. Der Glaube an die angebliche Unfehlbarkeit des Finanzsystems sei zwar im Crash von 2008 wie eine Blase zerplatzt; doch grundlegend geändert habe sich nichts. Ganz im Gegenteil sei die Ungleichheit zwischen Arm und Reich seit damals noch erheblich gewachsen.

Donut: Ansätze für eine Neuausrichtung

Wo sieht Raworth nun die Ansätze für eine Neuausrichtung? Sie skizziert dazu sieben Faktoren. Zum einen sei eine neue Zielvorgabe anstelle der bisherigen Glaubensformel „Wachstum um jeden Preis“ erforderlich. Das Modell dazu liefere der Donut. Ihn hat die Autorin in Gesprächen mit zahlreichen Wissenschaftlern und Experten seit 2011 entwickelt, wie sie schreibt. Statt der isolierten Betrachtung des „Marktes“ und „der Wirtschaft“ sei das Gesamtbild der „eingebetteten Ökonomie“ zu erfassen.

Vom allein rational ökonomischen zum sozial anpassungsfähigen Menschen als Handelndem zu kommen, lautet das dritte Prinzip. Systemisch statt rein mechanistisch denken zu lernen in einer dynamischen und komplexen Welt, das sind – neben mehr Verteilungsgerechtigkeit und einer regenerativ ausgerichteten Kreislaufwirtschaft – weitere Punkte für eine nachhaltig ausgerichtete Entwicklung.

Kreislaufwirtschaft als nachhaltiges Ziel

Am Beispiel der aufwendig produzierten Kaffeebohne macht Raworth das neue Denken fest: Weniger als ein Prozent jeder Bohne landet in einer Kaffeetasse. Der Rest findet sich als Kaffeesatz nach dem Genuss im Müll wieder.  Nur könnte der Rohstoff, der reich an Zellulose, Lignin, Stickstoff und Zucker ist, alternativ auch als Medium für den Pilzanbau und Futterzusatz für Haustiere verwendet werden. Eine derartige Kreislauf- oder „Schmetterlings“-Wirtschaft (analog zum dazugehörigen Schaubild) ließe sich an zahlreichen weiteren Beispielen für organische und anorganische/technische Stoffe entwickeln. Aus Abfall und Müll werden neue Ausgangsstoffe für eine regenerativ ausgerichtete Industrieproduktion des 21. Jahrhunderts.

Damit die Transformation gelingen kann, sagt Raworth, sei vor allem eine Neuausrichtung der gesellschaftlichen Wertmaßstäbe erforderlich. „Es gibt keinen anderen Reichtum als das Leben“, zitiert die Wirtschaftswissenschaftlerin den Schriftsteller und Sozialphilosoph John Ruskin (1819-1900). Reichtum wird damit nicht nur als monetärer Vorteil definiert.

Wie definiert sich Reichtum?

Sowohl der Reichtum in den von Menschenhand geschaffenen Gegenständen gehört dazu wie auch der Reichtum im Menschen selbst und seinen individuellen Fähigkeiten, in einer florierenden Biosphäre oder im Wissen. Werte einer neuen Welt des 21. Jahrhunderts macht Raworth auch am Beispiel von „regenerativen Städten“ oder auch einem „regenerativen Finanzwesen“ fest. Sie plädiert dafür, das „Monopol der monetären Kennzahlen“ zugunsten einer „Vielzahl lebender Indikatoren“ für wirtschaftlichen Erfolg zu transformieren.

Zugegeben, in seiner Komplexität ist Raworths „Donut-Ökonomie“ nicht unbedingt der geeignete Stoff für die schnelle Gute-Nacht-Lektüre. Andererseits lohnt das Studium der faktenreich untermauerten Systemanalyse, weil sie ganz unterschiedliche Perspektiven zu einem neuen Blick aufs große Ganze vereint.  Der Donut gehört als Süßgebäck zwar nicht gerade zu meinem Genussfavoriten. Als Denkmodell für eine neue, ganzheitlich und nachhaltig orientierte Wirtschaftsweise weiß er dagegen durchaus einen faszinierenden Charme zu entfalten. Gerade wenn man sich als Business-Coach täglich Gedanken über die Transformation in Unternehmen macht, liefert das Buch wertvolle Anregungen für eine Neuorientierung.

Kate Raworth: Donut-Ökonomie: Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. Hanser Verlag 2020 (3. Auflage, Erstedition: 2018), 416 Seiten, ISBN: 978-3446258457.

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!

© by Dr. Markus Blaschka 2019

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