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Selbstbestimmt die Zukunft gestalten

In der Rubrik „Literatur-Tipp“ haben wir inzwischen schon viele aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Coaching und Unternehmensführung behandelt. Aber auch die Themen Design, Innovation, Philosophie, Spiritualität und Lebensführung gehören dazu. Wer mich kennt, weiß, dass ich auch beim Coaching das Heil nicht in einer einzigen Methode sehe. Erst die Vielfalt verschiedener Ansätze und die daraus klug ausgewählten Instrumente machen zusammen mit der nötigen Empathie für das Gegenüber das Erfolgsrezept aus. Ebenso lasse ich mich auch bei der Lektüre gerne immer wieder neu anregen.

Krisenratgeber sind Verkaufsschlager

Gerade in den aktuellen Umbruchszeiten gehören Krisenratgeber zu den aktuellen Verkaufsschlagern. Die Frage ist, ob die zum Teil hastig zusammengezimmerten Werke nicht nur schnell vom aktuellen Hype und den allgemein verbreiteten Ängsten profitieren wollen. Hoffnungsvoller geht der Zukunftsforscher, Soziologe und Buchautor Matthias Horx mit dem Thema Krise um. Er sieht in historischen Umbruchszeiten einen „Komplexitätsüberschuss“, der trotz aller Veränderungen und damit  ausgelöster Ängste auch Chancen beinhalte. In einem Blogbeitrag über Horx‘ Buch „Die Zukunft nach Corona“ zu Beginn der Pandemie 2020 sind wir bereits darauf eingegangen.

Das Lichtvolle im Bedrohlichen entdecken

Persönlich schätze ich durchaus Horx‘ Ansatz, im vermeintlich Bedrohlichen jeweils auch Lichtvolles zu entdecken.  Dem Gefühl von überwältigender Ohnmacht und Erstarrung durch Angst, die letztlich in die Depression führt, wird dabei der Impuls entgegengesetzt, ins Handeln zu kommen. Beispielhaft hat Horx das in seinem aktuellen Essay „Durch Krisen wachsen“ herausgearbeitet. Doch der gefragte Zukunftsforscher aus Wien ist offenbar selbst auch nicht ganz davor gefeit, im reißenden Informationsstrom über die unterschiedlichen Krisenmomente der Gegenwart unterzugehen.

Das zeigt sein aktuelles Buch  „Die Hoffnung der Krise“, das im August 2021 erschienen ist. Es trägt den Untertitel „Wohin die Welt jetzt geht oder wie Zukunft sich immer neu erfindet“. Krisen können Ökonomien von innen heraus verändern, neue Epochen einleiten und Kultursysteme rekonfigurieren, so seine Hauptthesen.

Zukunftsforscher sieht „Epoche der Transformation“

Das ist spannend und informativ zu lesen, reißt aber etwas stakkatohaft, atemlos und leider nur oberflächlich die verschiedensten Themenfelder an. So liest man über digitale Revolution, neue Arbeitswelten, Aufmerksamkeitsökonomie, die Verwandlung der Stadtlandschaften, „gender wars“, postfossile Transformation, säkulare Spiritualität und neuen Tourismus. Wow! Angesichts der Flut unterschiedlichster Informationen, die aber nicht unbedingt eingeordnet, vertieft und bewertet werden, bleibt man nach der Lektüre etwas ratlos zurück. Als Ausblick bleibt vielleicht, dass die Corona-Krise die neue „Epoche der Transformationen“ eröffnet. Diese soll „die destruktiven Kräfte der Industrialisierung“ zähmen und das „postfossile Zeitalter“ einleiten.

Worauf kommt es nun aber wirklich an? Dem Buch von Horx‘, das mit seinem Info-Overload bedenkliche Parallelen zur täglichen Medienflut aufweist, möchte ich deshalb einen ganz anderen Autor gegenüberstellen:  Michael Bordt. Mit seinem Buch „Die Kunst, sich selbst zu verstehen„, setzt der Professor für Ästhetik, philosophische Anthropologie und Geschichte der Philosophie viel tiefer an: dem Kern und der Wesensessenz jedes Menschen.

Selbsterkenntnis von den Jesuiten lernen

Professor? Wer jetzt bereits in Befürchtung schwieriger Gedankenkost die Stirn runzelt und abwehrend die Hände hebt, denkt zu kurz. Als ehemaliger Präsident der Hochschule für Philosophie in München ist Bordt nämlich auch Mitbegründer und Geschäftsführer des 2011 aus der Taufe gehobenen Instituts für Philosophie und Leadership in München. Interessanterweise waren es wohl die Vorstände verschiedener Unternehmen, die nach der Finanzkrise nach einer neuen Ethik und den Umgang mit neuen Werten suchten. Sie gaben damit einen wichtigen Impuls zur Gründung des Instituts.

Das sieht seine Aufgabe neben der Forschung auch in der Begleitung und Fortbildung von Top-Managern und Nachwuchskräften aus Großkonzernen, gemeinnützigen  und Familienunternehmen. Ebenso führt das Institut in Kooperation mit der TU München und dem KIT in Karlsruhe Akademien für junge Gründer von Start-ups oder hochbegabt Studierende der MINT-Fächer durch.

Gefangen in fragmentierten Rollenbildern

Als Jesuit, Philosophieprofessor und Wirtschaftsberater trainiert Bordt also Topmanager und Nachwuchsunternehmer in der mühsamen Kunst der Selbsterkenntnis. Denn wer führen will, so erklärt es der 62-jähriger Hamburger in einem lesenswerten Interview mit der Süddeutschen Zeitung, der muss sich erstmal seinen eigenen Sehnsüchten und Abgründen stellen. Das wusste vor mehr als 450 Jahren auch Ignatius von Loyola (1491 – 1556), der Ordensgründer der Jesuiten.

„Jeder von uns steht heute vor vielen Herausforderungen gleichzeitig, das gilt besonders für Führungskräfte“, sagt Bordt. „Sie erleben eine Fragmentierung der Rollen: als Unternehmer, Vorgesetzter, gesellschaftliches Vorbild, als Mann oder Frau, als Familienmensch. Da ist es wichtig, den roten Faden zu finden. Ohne einen solchen geht es nicht im Leben.“ Genau darin geht es in seinem bereits 2013 erschienenen Buch über die Kunst zur Selbsterkenntnis: Der Schlüssel für Erfolg und ein selbstbestimmtes Leben liegt in der eigenen Persönlichkeit. Die Quellen, aus denen Bordt schöpft, liegen in der antiken Philosophie, speziell von Seneca, der humanistischen Psychologie und der Spiritualität des Jesuitenordens.

Wege zu einem selbstbestimmten Leben

Bordt zufolge geht es für ein gelingendes Leben darum, sich frühzeitig die richtigen Fragen zu stellen: Was heißt es, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Was gibt unserem Leben Sinn? Warum sind uns Freundschaft und Liebe, aber auch unsere Arbeit so wichtig? Wie können wir mit Leid und Tod umgehen? Der Ausgangspunkt für das eigene Selbstverständnis ist die Frage, wie man über sich selbst nachdenken sollte und worüber man nachdenken sollte, wenn man sich selbst verstehen will.

Zu berücksichtigen ist dabei aber nicht nur das Nachdenken über uns selbst, sondern auch ein Verstehen der eigenen Emotionen und ihrem Bezug auf das Leben. Ins Visier genommen wird deshalb auch das „manchmal schwer zu durchschauende Knäuel unserer Gefühle, Gedanken, Motivationen und Wünsche, aber auch Enttäuschungen und Verletzungen.“

Aktive Entwicklung eigener Fähigkeiten

In acht Kapiteln gibt Bordt in seinem Buch eine Anleitung, wie ein gelingendes, selbstbestimmtes Leben aussehen kann, „das wir trotz aller Spannungen, Konflikte und Schwierigkeiten, trotz Leid und Trauer bejahen können“. Betrachtungen über die eigenen Gedanken und Gefühle, die Wertigkeiten und Wünsche im Leben sowie der emotionale Bezug zum Leben münden in Gedanken darüber, was ein zufriedenes Leben eigentlich ausmacht: Selbstbestimmtheit und die Ausprägung eines „eigenen Klangs im Leben“. Dazu kommen erfüllende Beziehungen zu anderen Menschen und die aktive Entwicklung eigener Talente und Fähigkeiten, die uns für andere wertvoll werden lassen. Ebenso zur Sprache kommen die passenden Strategien zum Tätigsein sowie der Umgang mit Misserfolgen, Verletzungen und dem Scheitern.

Ablenkung durch Äußerlichkeiten

Der Weg zur inneren Freiheit ist also eher unbequem und beschwerlich. Oft lassen wir uns eher von Äußerlichkeiten bestimmen: mit dem Stress im Beruf und Familie, mit Freizeitaktivitäten, Shoppen, Nachrichten und Medienkonsum oder sportlichen Ereignissen. Bordt setzt dagegen – auch in seinen Seminaren – konsequent auf Innenschau und dem zur-Ruhe-Kommen in der Stille. Auf Achtsamkeit, Atmen, Yoga und Meditation. Dies ermöglicht erst den Abstand zum Alltag, Gelassenheit, Selbstgewahrsamkeit, Orientierung und die innere Ausrichtung der Tagesstruktur.

Auch Bordt selbst hat sich diesen inneren Prüfungen unterzogen. Mit 28 Jahren beschloss er in den Jesuitenorden einzutreten. Zwei Jahre war er Novize. Eine Phase, die er als „extrem intensive Zeit“ bezeichnet. Sie beginnt mit 30 Tagen Schweigen und täglich acht Stunden Meditation bis die Knochen schmerzen. Ähnlich wie im Zen-Buddhismus. Auf  Momente der Freude und Entspannung folgen Phasen, in denen man mit seinen dunklen Seiten konfrontiert wird: Trauer, Wut, Schmerz. Statt darüber zu reden, muss man es einfach aushalten, was da hochkocht. Und lernt daraus fürs Leben.

Alphatiere und Führungspersönlichkeiten

Was passiert, wenn Alphatiere in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Selbstwahrnehmung ausblenden, lässt sich allenthalben studieren. Wenn die Ackermanns und Fitschens, die die Deutsche Bank in Verruf gebracht haben, die Winterkorns (VW), Blatters (FIFA) oder Trumps über alle Selbstzweifel und -kritik erhaben erscheinen. So bringen sie Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt immer weiter an den Rand.

Aber es gibt auch andere, sagt Pater Bordt: Führungspersönlichkeiten, die angesichts zahlreicher globaler Krisen erstmals das Bedürfnis verspürt haben, entscheidende Änderungen auf den Weg zu bringen. Weil uns sonst „das System“ auffrisst. Topmanager stehen deshalb in den meisten Fällen unter hohem Druck. Dieser Belastung hält man auf Dauer aber nicht mit einer von außen erzwungenen Moral stand. Sondern nach Überzeugung des Jesuiten nur mit einer integren Persönlichkeit. Den Weg dazu weist Bordt mit seinen Büchern und Seminaren für Führungskräfte.

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!