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Homeoffice und hybride Arbeitswelt

Da war es, dieses Gefühl: endlich wieder am Flipchart stehen, meine guten Neuland-Stifte in der Hand halten und Charts zeichnen, die meine Kund*innen begeistern. Oh Du wunderschönes Trainerleben. Okay, okay, ich bin etwas ins Schwärmen geraten. Aber es fühlte sich tatsächlich sehr gut an, nach Wochen und Monaten erzwungener Corona-Klausur und digitalen Präsentationen endlich wieder Präsenztermine zu haben. Was heisst das fürs aktuelle Coaching im Herbst 2022? Alles wieder zurück auf Start? Wie vor der Pandemie und Homeoffice? Welche Lehren ziehen wir aus dem Arbeitsalltag im Remote-Modus?

Mit ein paar Tipps sowie einem Resümee aus den bisherigen Erfahrungen möchte ich mich in die aktuelle Diskussion um die künftige Gestaltung von Workshops, Coachings und Trainings einschalten. Tatsächlich hatte ich vor einigen Wochen wieder einen Workshop als Präsenztermin, mit Reise und Hotelübernachtung. Einerseits war es eine willkommene Abwechslung zum Online-Alltag im Homeoffice. Andererseits war der Auftritt unglaublich anstrengend, was vor allem der aktuellen, sehr angespannten Situation an den Flughäfen geschuldet ist.

Run auf Termine in Präsenz

Derzeit erlebe ich selbst, aber auch bei Teilnehmenden und Kunden, einen regelrechten Run auf Termine in Präsenz. Sich wieder persönlich zu treffen, ohne Kamera und Mikrofon als „ganze Menschen“ live wahrzunehmen: Das ist nach gut zwei Jahren Pandemie wieder die große Mode und Sehnsucht. „Ach, wie schön war das doch“, höre ich manchen Kommentar im Ohr. Wirklich? Trotz des schönen Gefühls sind wir nicht mehr ganz in den alten Modus zurückgekehrt, oder?

Natürlich ist ein direkter persönlicher Kontakt etwas anderes als die zahlreichen Online-Meetings, -Trainings, – Workshops und -Coachings. Aber dennoch ist ja auch online ein Kontakt entstanden, der oft erstaunlich tragfähig ist. Eine Kundin, die ich seit gut zwei Jahren nur virtuell kenne, meinte bei einem Workshop, dass der Eindruck aus der bisherigen virtuellen Zusammenarbeit doch tatsächlich weiter gut ist – was wir beide schön fanden und ich auch aus meiner Sicht so bestätigen konnte. Es war eine große Vertrautheit im Umgang da, die bei vielen Stunden Online-Zusammenarbeit entstanden ist. Schön, dass wir beide diese Vertrautheit auch auf die direkte, persönliche Zusammenarbeit übertragen konnten.

Homeoffice und hybride Arbeitswelt

Ich möchte mit Ihnen einen recht breit gestreuten Blick auf unsere neue hybride Arbeitswelt werfen. Wie hybrid hätten Sie es denn gerne? Zwei Tage Homeoffice oder drei oder überhaupt nur einen virtuellen Arbeitsplatz? Tatsächlich scheinen gerade alle Varianten zwischen 0 und 100 Prozent Homeoffice üblich und im Einsatz zu sein. Wir stellen nach gut zwei Jahren Pandemie – zum Glück! – fest, dass es tatsächlich nicht so wichtig ist, wo man arbeitet.

Allerdings kommen neue weiterführende Fragen auf:

  • Was ist denn „unser“ Modell in der Firma? Viele Firmen bieten derzeit zwei reguläre Tage Homeoffice an, aber es gibt auch die Varianten „work from anywhere“ bis hin zu wieder voller Präsenzpflicht von Montag bis Freitag.
  • Für Teams und Führungskräfte ergibt sich daraus die Frage, wie das funktionieren kann bzw. soll. Wie wollen wir miteinander umgehen? Wieviel Kontakt und Zeit miteinander brauchen wir? Reicht ein virtuelles Kaffeetrinken einmal die Woche dafür aus?
  • Wie kann ein (teil-) virtuelles Onboarding neuer Teammitglieder oder Kolleg*innen funktionieren?
  • Was heißt das für meine Rolle als Führungskraft, wenn ich an keinem Tag der Woche wirklich mein gesamtes Team physisch vor mir sitzen habe? Wieviel Vertrauen will ich geben, wieviel Kontrolle braucht es?
  • Wie strukturiere ich meinen Arbeitsalltag? Gerade Führungskräfte verbringen die Zeit im Homeoffice fast nur in Online-Meetings. Die „Zoom Fatigue“ lässt grüssen, wenn man nur von einem Online-Termin in den nächsten springt. Und einem dann zwischendurch einfällt, dass man doch schon seit zwei Terminen auf die Toilette gehen und sich noch etwas zu trinken gegen die belegte Stimme holen wollte.

Online-Etikette und „Zoom Fatigue“

Wie das Thema Führung in der hybriden Welt konkret funktionieren kann, werden wir in einem anderen Blogartikel beleuchten. Ich würde gerne mit dem letzten Punkt obiger Liste beginnen und noch einmal auf die Basics hinweisen, um die berühmte „Zoom Fatigue“ zu vermeiden. Tatsächlich bin ich stets aufs Neue erstaunt, wie oft die einfachsten Regeln ignoriert werden. Und gleichzeitig ALLE jammern. Ja, wenn man nichts ändert, bleibt der Zustand so, wie er ist. Da braucht keiner eine systemische Ausbildung, um das zu verstehen.

Deshalb darf ich kurz nochmal die bewährten Grundregeln für Online-Meetings ins Gedächtnis rufen:

  • Termine nicht über die vollen 60 Minuten ansetzen, sondern nur die ersten 50 Minuten einer vollen Stunde. Dann haben noch alle vor dem nächsten Termin die Möglichkeit einer kurzen Biopause und können sich auch ein Getränk organisieren. Das gilt ganz besonders für die heißen Sommertage. Es ist wichtig, sich an diesen Zeitrahmen auch  zu halten! Das gibt Sicherheit für alle. Ja, auch die Führungskräfte und Vorstände – bitte an die Rolle als Vorbild denken!
  • In Online-Trainings, die länger als 60 Minuten dauern, mache ich bewusst jede Stunde eine kurze Pause. In Präsenztrainings ist die Pause meistens nach 90 Minuten dran. Deshalb macht es Sinn, in jeder Art von Online-Terminen nach 60 Minuten zumindest 5-7 Minuten Biopause einzuplanen oder als Teilnehmer*in selbst einzufordern.
  • Um den Zeitrahmen einzuhalten, braucht es eine straffe, zielführende Moderation. Das beginnt in den meisten Fällen bei einer klaren Agenda mit konkreten Tagesordnungspunkten. Am besten noch ergänzt um ein Ziel (Information, Beschluss, Aktion). Im Meeting selbst sollte entweder eine Person, die wirklich moderiert, oder eine vorher getroffene Vereinbarung dafür sorgen, dass zumindest alle Teilnehmenden die Agenda und Uhrzeit im Blick haben. Ergänzend ist am Ende gemeinsam und verbindlich festzuhalten: Wer macht was bis wann?
  • Profi-Tipp: Am besten nur 45 Minuten für die einzelnen Tagesordnungspunkte ansetzen und dann noch eine kurze Feedbackrunde dranhängen: „Wie war das Meeting für mich?“ – und bitte nur ein (!) kurzer (!) Satz je Nase als Antwort, keine Zusammenfassung.

Auf gute Beleuchtung, Ton und Pausen achten

  • Auf ordentliche Beleuchtung und guten Ton achten. Mittlerweile sollten wir doch alle wissen, dass ein Kopf vor dem Fenster im Video zu dunkel ist. Drehen Sie Ihren Tisch und schaffen Sie sich ein LED-Panel oder Ringlicht an, das Sie von vorne beleuchtet. Der Instagram-erfahrene Nachwuchs ist sicher hilfreich als Einkaufsberatung. Ebenso sollte der Ton gut sein, bei spielenden Kindern oder lärmenden Nachbarn empfiehlt sich ein gutes Headset. Tipps zur Ausstattung finden Sie bei uns im Blog.
    Ich nutze übrigens seit einiger Zeit wieder statt einem tragbaren MacBookPro einen kleinen Mac mini als Desktop-Rechner. Der wesentliche Vorteil ist, dass im Gegensatz zum Notebook der Lüfter praktisch nie anspringt. Beim MacBookPro lief der während der Online-Trainings im Dauerbetrieb. Ich fand das echt störend.
  • Achten Sie darauf, nicht den ganzen Tag von einem Online-Meeting ins nächste zu düsen. Tage mit mehr als drei Online-Terminen sind extrem anstrengend. Wir achten aufgrund der eingeschränkten Perspektive noch stärker auf Mimik, Hände und Stimme. Das ist anstrengend in unserer Wahrnehmung und braucht sowohl geistige als auch körperliche Energie.

Passt das eigene Erscheinungsbild?

  • Ich bin selbst oft erstaunt, wie schnell die Luft nach einem Online-Meeting verbraucht ist. Also nutzen Sie die paar Minuten bis zum nächsten Termin auch, um das Fenster zu öffnen, am besten so, dass die Luft durchziehen kann.
  • Ein Faktor, der auch mich persönlich immer wieder anstrengt, ist das eigene Bild. Angeblich soll das die Damenwelt mehr beschäftigen als die Herren. Ich widerspreche deutlich! Wir alle wollen – besonders in geschäftlichen Terminen – gut aussehen! Notfalls hilft es, das eigene Video zumindest zwischendurch für ein paar Minuten auszuschalten. Ich empfehle vorher einen gründlichen Check im Spiegel, sich bei der Gelegenheit noch gleich auf die Schulter zu klopfen, sich anzulächeln und dann im Meeting-Tool den Weichzeichner etwas hochzudrehen. Schwups, sind die ungeliebten Fältchen weg.
  • Um Bild und Ton stets gleichmäßig gut zu halten, hilft es auch, statt WLAN einfach mal wieder das gute alte LAN-Kabel in den Rechner zu stecken. WLAN ist technisch empfindlicher gegenüber Störquellen. Da reicht schon der Router der Nachbarn oder Schwankungen der Bandbreite. Etwa, wenn nebenan die Kids noch Netflix oder Disney+ laufen haben.

Ich hoffe, mit diesen im Praxiseinsatz bewährten Empfehlungen kommen wir alle besser durch die vor uns liegende Zeit. Die hält wie sich schon abzeichnet, genügend neue Herausforderungen und Veränderungen bereit.  Da tut es gut, wenigstens im Umgang miteinander etwas den Stress zu reduzieren.

Foto: Sinnesbichler

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!