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Lange Warteschlangen am Flughafen

Überlebensstrategien in Umbruchszeiten

Aus aktuellem Anlass möchte in diesem Blogbeitrag einen Punkt beleuchten, der mir gerade täglich mehrfach begegnet: die kurze Lunte oder die hohe Emotionalität, die bei uns allen gerade schnell hochkocht.  Wir sind in Krisenzeiten: Nach zwei harten Corona-Wintern mit massiven Einschränkungen und hohen Infektionszahlen ist der Ausblick auf den kommenden Herbst und Winter alles andere als rosig. Und als würde das noch nicht reichen, kommen der Ukraine-Krieg, die galoppierende Inflation und eine existenzbedohliche Energiekrise sowie der Klimawandel hinzu.

So viel Krise wie aktuell habe ich in den 54 Jahren meines Lebens nicht erlebt. Vor allem nicht in dieser Kombination. Nicht alle Menschen können damit gut umgehen. Bei vielen ist die Lunte bis zur „Explosion“ sehr kurz geworden. Deshalb kann es nicht schaden, sich einmal grundsätzliche Gedanken zu Überlebensstrategien in Umbruchszeiten zu machen.

Vater von drei Kindern tickte aus

Wie geht man damit am besten um? Ein ganz konkretes Beispiel hat mich vor kurzem stark beschäftigt. Bei meinem Rückflug vom Flughafen Köln/Bonn mit knapp zweieinhalb Stunden Wartezeit habe ich selbst erlebt, wie schnell einem Vater von drei Kindern aus heiterem Himmel der Kragen geplatzt ist. Und er beinahe handgreiflich wurde. Er hat sich dann noch als Protest für die Blockade des Priority-Schalters entschieden. Das war als Eskalation kurz vor dem Einsatz der Bundespolizei. Zum Glück hat er sich doch noch besonnen und unter lautem Schimpfen wieder zurückgezogen.

Aber egal, ob im Straßenverkehr oder beim Supermarkt, wir alle erleben ja weiterhin, dass Menschen sehr schnell austicken. Ich höre das auch oft im Coaching von Klient*innen. Hier gilt es, glaube ich, einen guten Mittelweg zu finden zwischen Empathie und dem Setzen deutlicher Grenzen.

Umgang mit Unsicherheit und Ohnmacht

Ich hatte dem wütenden Vater anfangs auch mit ruhiger Stimme erklärt, dass ich seinen Ärger verstehe.  Da alle Wartenden von der Situation ziemlich genervt seien, mache seine Blockade die Situation für niemand besser. Zudem sei zu vermuten, dass die Aktion eher die Bundespolizei auf den Plan rufen würde. Damit wäre dann wohl auch Schluss mit Fliegen. Als ihm dann ergänzend der Mitarbeiter am Check in-Schalter in aller Ruhe erklärt hat, dass er ihn nicht einchecken würde und er auf die Öffnung des anderen Schalter warten müsse, kam der Mann so langsam runter.

Wir alle dürfen eben gerade lernen, mit Unsicherheit und Ohnmacht umzugehen. Beides lernen wir seit Beginn der Pandemie. Dazu kommt aktuell noch der akute Personalmangel in vielen Bereichen.  Aber als Generation, die nur Frieden und Sicherheit kennt, geht das eben nicht so schnell. Ich habe am Flughafen neulich wieder entdeckt, dass zwei bewährte Strategien gut funktionieren.

Hotline als Rettungsanker?

Der Hintergrund war, dass Lufthansa mir per Mail dazu geraten hatte, möglichst früh am Flughafen zu sein. Dumm, dass dann aber die Schalter für Check-ins (hatte ich per App längst erledigt) und die Gepäckaufgabe einfach nicht entsprechend früher aufgemacht haben. Erschwerend kam hinzu, dass man den Check-in in München selbst erledigt, in Köln/Bonn aber den Schalter dafür braucht. Ich war für den Flug um 20.25 Uhr deshalb schon um 17 Uhr am Flughafen. Es gab zwei Schlangen, aber keiner der drei LH-Schalter war geöffnet. Niemand wusste, wann die Schalter aufmachen! Ich spürte eine unglaubliche Ohnmacht und fühlte mich komplett veräppelt. Doch halt: die Hotline!

Bei der Lufthansa-Hotline erklärte mir eine freundliche Dame, dass man derzeit ein zu hohes Volumen an Anfragen hätte (ach, tatsächlich?) und keine Anrufe entgegennehmen könne. Na bravo. Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben. Man kann doch sicher bei Eurowings auch für einen Lufthansa-Flug einchecken, dachte ich mir.  Schließlich waren einige Eurowings-Schalter offen. Also probierte ich auch die Eurowings-Hotline aus. Der freundliche Mitarbeiter erklärte mir zuerst, dass ich in der englischsprachigen Hotline gelandet sei. „No problem, Sir.“ Um mir dann zu erklären, dass er nicht sicher sei, ob das mit dem Check-in funktioniere. Nach ein paar Minuten Warteschleifengedudel war ich dann schlauer: Auch die Vorgesetzten wussten keinen Rat. Dafür gab es nur eine Strategie: Die Ohnmacht akzeptieren, geduldig sein, und warten, bis der Schalter aufmacht. Was ja dann immerhin eine Stunde später auch passierte.

Handeln in Krisenzeiten

In Situationen, in den wir uns als ohnmächtig, vielleicht auch überwältigt fühlen von der Situation oder der daraus resultierenden Unsicherheit, ist es immer gut, ins Handeln zu kommen. Haben Sie auch zu Beginn der Pandemie so viel Sport zu Hause gemacht wie nie zuvor? Oder ungeahnt viele Spaziergänge unternommen, weil nichts anderes möglich war? Eine Brotbackmaschine gekauft und endlich ihr eigenes Brot gebacken? Das sind alles Lösungsversuche durch Handeln.

Die andere Strategie – nicht nur bei Unsicherheit oder Ohnmacht – wäre, eben genau das zu akzeptieren, was ist. Die beste Option in Köln/Bonn war einfach, hier zu warten. Ich konnte die Abendmaschine nach München ja noch ziemlich sicher erreichen. Was dann zum Glück auch der Fall war.

Kontakt aufbauen bringt Entlastung

Eine weitere gute Strategie in schwierigen Zeiten ist, Kontakt aufzubauen. Sich Unterstützung holen, sich gegen die Situation verbünden. Wir Menschen sind soziale Wesen und die Gemeinschaft kann uns vieles bieten in schwierigen Situationen: Entlastung, Verständnis, das Gefühl von Verbundenheit, aber auch Kreativität für die Entwicklung von Lösungen. Das funktioniert in jedem Kontext, ob wir nun irgendwo stundenlang anstehen – ich hatte in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle sehr nette Gespräche – oder uns überwältigt fühlen. Allein das Gefühl, dass es nicht nur uns alleine so geht, hilft schon oft sehr viel. Menschen werden unglaublich solidarisch und entwickeln ungeahnte Kräfte und viel Kreativität zur Lösung. In jedem Krisen-Film wächst ein Mensch im Kontakt mit anderen über sich hinaus. Allein auf sich gestellt funktioniert das in der regeln nie in gleichem Maße.

Und so bin ich im privaten Umfeld immer dankbar für meinen „inner circle“, im beruflichen Kontext für mein seit Jahren gepflegtes Netzwerk. Weil beide Kreise mich auffangen und für mich da sind, so dass wir uns gegenseitig unterstützen können. Ob nun durch die pure Präsenz, ähnliche Erlebnisse, das Gespräch an sich oder Ratschläge, vielleicht auch gemeinsame Projekte zur Lösung eines Problems. Oder ganz einfach nur durchs Zuhören. Wer gehört zu Ihrem inner circle, privat wie beruflich? Und wann nehmen Sie sich das nächste Mal bewusst Zeit für diese wertvollen Menschen?

Der Weg nach innen zur Verankerung

Was uns allen in diesen herausfordernden Zeiten helfen kann, ist der Weg nach innen. Also sich selbst besser kennenzulernen, anzunehmen und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Tatsächlich habe ich dieses Jahr sehr viele Coachings, in denen Führungskräfte oft auch ihre eigene Rolle definieren sollen. Unternehmen sind im Wandel. Das Führungsleitbild ändert sich – oder war eh nie greifbar genug. Dazu kommt die hybride Situation oder auch die Polarisierung, die natürlich auch in Teams eine Rolle spielt.

Deswegen sind in meinen Augen Selbsterkenntnis und Selbstführung die wichtigsten Fähigkeiten des Jahrzehnts! Was sich in meinen Coachings der letzten Monate bewährt hat, ist der Weg, die Antworten auf die Herausforderungen in der eigenen Persönlichkeit zu finden. Fragen wie „Wer bin ich?“, „Wofür bin ich auf dieser Welt / in unserem Unternehmen?“ oder „Was bzw. welche Werte sind mir wirklich wichtig im Leben?“ sind aktueller denn je. Die Kenntnis und Akzeptanz des eigenen Ich sind der Schlüssel zu Selbstführung und persönlicher Entwicklung. Denn nur wer seine Werte und Entwicklungsfelder kennt, sich selbst akzeptiert und sich selbst führen kann, schafft für sich den passenden Platz im Unternehmen. So kann er auch andere Menschen führen.

Vortrag zum Thema bei den IT-Tagen

Das Thema werde ich übrigens auch auf einem Vortrag im Rahmen der IT-Tage im Dezember vorstellen. Schauen Sie doch gerne vorbei. Die Konferenz findet wieder online statt. Genauere Infos finden Sie im Programm für die IT-Tage.

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!