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Prophylaxe für Burnout: Bewusstseinswandel?

Es gibt viele Faktoren, die Menschen in der modernen Wirtschaft heute schnell an ihre Grenzen führen: die Hochfrequenz-Taktung, die viele Abläufe bestimmt, verdichtete Arbeitsstrukturen, häufige Führungswechsel oder Changemanagement-Prozesse. Dazu kommen Projekte, die nicht klar definiert sind oder nicht abgeschlossen werden. Da verwundert es nicht, dass Krankmeldungen oder Frühpensionierungen infolge psychischer Störungen wie Burnout stark zunehmen.

Einen guten Einblick, was die Mitarbeiter in der Industrie bzw. Klein- und mittelständischen Firmen wirklich bewegt, hat meine Netzwerk-Partnerin Erika Schneider aus Wien. Über die gemeinsame Ausbildung in Embodiment und einen Workshop für Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe haben wir uns kennengelernt.

Die Unternehmensberaterin, Wirtschaftsmediatorin und systemische Psychotherapeutin berät Einzelpersonen, Teams und Unternehmen im Rahmen der psychosozialen Gesundheitsvorsorge und des Konfliktmanagements. Als Buchautorin hat sie ihre Kompetenz mit dem Werk „Sicherer Umgang mit Burnout im Unternehmen“ herausgestellt. Es wird gerade für die zweite Auflage überarbeitet. In unserem Interview über „Burnout und Prophylaxe“ zeigt Erika auf, dass dem Thema gerade heute wieder große Aktualität zukommt.

Ausfall-Kosten bis zu 100.000 Euro

Das Thema Stress und Burnout am Arbeitsplatz wird bereits seit über zehn Jahren diskutiert und erforscht. Der Ausfall eines Mitarbeiters wegen seelischer Leiden kostet die Unternehmen im Schnitt zwischen 50.000 bis 100.000 Euro. Lässt sich ein Bewusstseinswandel zu rechtzeitiger Prophylaxe feststellen?

Erika Schneider: Ein Bewusstseinswandel im Hinblick darauf, dass Unternehmen einen Beitrag zur Gesundheitsprophylaxe leisten können, ist durchaus festzustellen und es gibt auch Ansätze, diese im Unternehmen umzusetzen. Aber wenn es um nötige Änderungen in der Firmenkultur geht, verhält es sich ähnlich wie mit Rauchern. Jeder Raucher weiß mittlerweile um die Gefahren, aber das heißt noch lange nicht, dass man tiefgreifend etwas ändert.

Lässt der wachsende Druck globaler Märkte zu schnelleren Innovationszyklen, Einsparungen und verdichteten Arbeitsprozessen wirksame Gegenmaßnahmen gegen Burnout überhaupt zu?

Schneider: Er macht es zumindest nicht einfacher. Aber man weiß, dass gesunde, motivierte und zufriedene Mitarbeiter die Produktivität eines Unternehmens markant steigern.

Unternehmen in Burnout-Gefahr

Nicht nur einzelne Mitarbeiter, sondern ganze Unternehmen können unter Burnout leiden, was sich u.a. in rückläufiger Produktivität, einer Kultur des Misstrauens und höheren Kündigungsraten ausdrückt. Kennst Du aus Deiner Praxis Belege für diese These?

Schneider: Ich kenne Beispiele, wo sich ganze Abteilungen eines Unternehmens aus diesem Grund fast aufgelöst haben. Dies wurde auch für die Kunden sichtbar. Die damit verbundenen Probleme für das gesamte Unternehmen kann man gut nachvollziehen. Leider ist es oft so, dass junge motivierte Nachwuchskräfte in Seminare zur Führungskultur und zur Gesundheitsprophylaxe geschickt werden. Wenn sie dann merken, dass sie die guten Rezepte und Strategien nicht umsetzen können, weil in Sachen Firmenkultur alles beim Alten bleiben soll, frustriert das auf Dauer gewaltig. Dazu kommen immer wieder neue Changemanagement-Prozesse nach Führungswechseln, die Mitarbeiter auslaugen, wenn das zu häufig vorkommt.

Sind mittelständische und familiengeführte Unternehmen weniger anfällig für Ausfälle durch Burnout?

Schneider: Hier fällt oft der Druck weg, in erster Linie die Aktionäre befriedigen zu müssen. Dafür gibt es in kleineren Unternehmen aufgrund des Personalumfangs meistens weniger Möglichkeiten, Ausfälle von Mitarbeitern zu kompensieren, was die gesamte Belegschaft vor große Herausforderungen stellen kann.

Burnout-Tipps im Praxistest

Welche Maßnahmen und Methoden sind in der Praxis erfolgreich, damit es erst gar nicht zu Fällen von Burnout im Unternehmen kommt?

Schneider: Der Klassiker ist im Prinzip eine offene und  transparente Firmenkultur als Basis.  Die Wertschätzung durch Vorgesetzte ist ergänzend ein ganz wesentlicher Faktor. Weitere bestimmende Punkte sind aus meiner Sicht, den richtigen Mitarbeiter seinen Fähigkeiten entsprechend am richtigen Platz einzusetzen und ihm ein interessantes Aufgabengebiet mit Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Wichtig dafür ist ergänzend eine Kultur, offen und konstruktiv mit Fehlern umzugehen. Weitere Punkte sind ein Arbeitsaufwand, der gut zu bewältigen ist und möglichst nicht von mehreren Vorgesetzten gleichzeitig bestimmt wird, wodurch es zu Dauerkonflikten kommen kann. Ebenso ist es wichtig, begonnene Projekte zu Ende zu führen und diese nicht auf halber Strecke durch neue Projekte abzulösen.

Welche Rolle spielt die Qualifizierung von Führungspersönlichkeiten dabei, wirksame Strukturen in der Firma zu implementieren?

Schneider: Eine sehr große, da die Führungskraft als Vorbild die für den Mitarbeiter unmittelbar sicht- und erfahrbare Umsetzung der Firmenkultur im tagtäglichen Tun darstellt.

Richtiger Umgang mit Verantwortung

Wo setzt Du persönlich dabei an?

Schneider: Zuerst ist es für mich wichtig, zu klären, ob die Führungskraft sich in dieser Position überhaupt wohl fühlt. Nicht jeder, der inhaltlich einen tollen Job macht, fühlt sich wohl dabei, andere anzuleiten, zu unterstützen und Entscheidungen zu treffen, die den gesamten Teamerfolg im Auge behalten. Im nächsten Schritt arbeiten wir daran, was es braucht, damit der Vorgesetzte oder Teamleiter sich in dieser Rolle wohl fühlt. Der nächste Schritt zeigt die Wege und Möglichkeiten auf, sich fehlende Ressourcen zu beschaffen. Ein ganz wesentlicher Punkt ist aus meiner Sicht, immer auch zu reflektieren „was gehört mir“, also, was ist meine Verantwortung und „was gehört dem Anderen“. Also, was liegt in der Verantwortung des Mitarbeiters bzw. der Geschäftsführung.

Helfen wirksame Management- und Kommunikationsmethoden sowie Burnout-Prophylaxe auch dabei, den Geschäftserfolg nachhaltig zu verbessern?

Schneider: Je mehr Mitarbeiter ausfallen bzw. durch innere Kündigung nur mehr Dienst nach Vorschrift machen, desto größer wird der Druck auf den Rest der Belegschaft. Das bewirkt noch mehr Ausfälle, die Fehleranfälligkeit häuft sich, eventuell kündigen die ersten Mitarbeiter auch real. Im Umkehrschluss folgt daraus: Das Unternehmen kann sein Potential umso besser nutzen, je konkreter die oben angeführten Maßnahmen greifen bzw. tatsächlich umgesetzt werden.

Gibt es Branchen oder Unternehmen, die besonders anfällig sind für Burnout der Mitarbeiter?

Schneider: Früher wurde das Phänomen vor allem in Berufen festgestellt, die eine hohe Auseinandersetzung mit anderen Menschen erfordern wie Gesundheitsberufe, Sozialarbeit oder Bildung. Mittlerweile kann man keine signifikanten Unterschiede mehr in den einzelnen Branchen feststellen.

Drogen in der Führungsetage

Ein aktuelles Thema ist immer wieder auch der Missbrauch von Aufputschmitteln oder Medikamenten, mit denen Führungskräfte dem Leistungsdruck zu begegnen versuchen. Wie bewertest Du diese Strategie, mit dem hochfrequenten Takt der Arbeitsbelastung umzugehen?

Schneider: Natürlich ist dieses Thema in den Unternehmen präsent, da jeder Betroffene versucht, eine Lösung seines Problems zu erreichen. Durch die leichte Verfügbarkeit und der vordergründigen schnellen Wirkung von Medikamenten, aber auch Alkohol und verbotenen Substanzen wie Kokain kann man erst Mal weiter funktionieren. Dass dies nichts löst und sich nur ein weiterer Problemkreis auftut, zeigt sich dann leider erst zeitverzögert. Dazu kommt auch, dass der Genuss von Alkohol gesellschaftlich absolut legitimiert ist und der fatale Kreislauf der Abhängigkeit oft erst sehr spät offen zu Tage tritt.

Zur Person:

Erika Schneider arbeitet als systemische Psychotherapeutin, systemischer Coach, Unternehmensberaterin und Mediatorin für Einzelpersonen und Teams im Sozial- und Wirtschaftskontext. Zu ihren Klienten gehören ebenso Industrie- und mittelständische Unternehmen. Diese berät sie im Rahmen der psychosozialen Gesundheitsvorsorge, des Konfliktmanagements sowie in Fragen von Organisation, Personalführung, Teamleitung und Qualitätsmanagement. Ergänzend ist sie als Trainerin für Embodiment und Neuro Somatic Coach tätig.

Foto: Erika Schneider / www.psychotherapie-coaching.co.at

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!

© by Dr. Markus Blaschka 2019

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