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Das Rüstzeug für Online-Trainer

Seit der Corona-Krise hat das Wort „Lockdown“ einen neuen Beigeschmack bekommen. Der wochenlange Stillstand von Wirtschaft, Gesellschaft und nahezu allen Gesellschaftsbereichen hat auch für die Kreativbranche weitreichende Folgen gehabt. Als Coach und Trainer, der anderen das Thema „Selbstführung“ vorbildhaft nahebringen will, ist man in solchen Zeiten also doppelt gefordert. Speziell als neuer Online-Trainer.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat im Zeichen von Corona ebenfalls einen mächtigen Schub verfahren. Mit Blick auf die hunderttausendfach aufsprießenden „Homeoffices“ erfreuen sich nicht nur Tele-Konferenzen und Tele-Learning neuen Zuspruchs. Neue Möglichkeiten und Geschäftsideen bieten die elektronischen Helfer über das Internet auch Businessberatern im Bereich Tele-Coaching. Höchste Zeit für mich, auch im Vorstoß in neue virtuelle Dimensionen auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Meine Erkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit den neuen eTools möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Vom Präsenz- zum Online-Trainer

Pünktlich um 10 Uhr begann das Training im virtuellen Seminarraum auf der Plattform Zoom. Zusammen mit fünf weiteren Kolleg*innen war ich auf dem besten Weg, mich vom Präsenz- zum Online-Trainer weiterzuentwickeln. Unsere Trainerin Jacqueline Wolf kannte ich schon aus unserer früheren Zusammenarbeit bei einem Partner. Sie war auch der Grund für meine Entscheidung, diese Weiterbildung bei Dr. Sammet & Wolf  zu buchen – weil wir aus der gleichen „didaktischen Schule“ kommen.

Es folgten drei sehr abwechslungs- und lehrreiche Tage im virtuellen Seminar. Stand am ersten Tag noch recht viel Input auf dem Plan, so waren wir die beiden andere Tage als frischgebackene Online-Trainer  ständig in Übungsaufgaben „live auf Sendung“ gefordert. Dank des Pools an sehr erfahrenen Kolleg*innen war das Feedback hochprofessionell. Und Jacqueline hatte zu jeder Situation und Erfahrung noch einen hilfreichen Tipp für uns alle parat.

Straffe Moderation ist gefragt

Ich bin wirklich erstaunt, was ich aus diesen drei Tagen alles an Wissen, Erlebnissen und Erfahrungen mitnehme, samt nützlicher Kontakte. Vor dem Seminar war ich überzeugt, dass es einfach eine andere Didaktik für Online braucht und das sei es dann schon. Etwas Übung in den Werkzeugen wie Zoom und anderen. Tatsächlich wurde ich darin bestätigt, aber es gehört eben auch noch eine deutlich straffere Moderation der Teilnehmer dazu sowie ein souveräner Umgang mit der Technik und den verwendeten Werkzeugen.

Als „alter IT-ler“ dachte ich, den letzten Part beherrsche ich spielend, dennoch bin ich da ein paar Mal schwer in der Sackgasse gelandet. Es sind so oft Kleinigkeiten. Der Link zum Teilen eines Word-Dokuments, den man im Chat teilen möchte und der nicht in der Zwischenablage ist oder den die Teilnehmer nicht öffnen können. Oder dass ich zu selten in die Kamera schaue und mein Blick irgendwo auf meinem Bildschirm ist – was die Teilnehmer natürlich an meinen Augenbewegungen bemerken.

Zeitregel für Online-Trainer

Eine wichtige Daumenregel besagt, dass 60 Minuten Präsenztraining in etwa 90 Minuten Online-Training entsprechen. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass es online viel wichtiger ist, die Teilnehmer einzubinden und permanent zu aktivieren. Und zwar alle fünf Minuten besagt eine weitere Daumenregel. Als Trainer muss ich außerdem viel straffer führen und moderieren. Auch ein paar neue Tools habe ich kennengelernt. Neben Miro, mit dem ich schon arbeite, war das vor allem Google Jamboard, das viele Möglichkeiten bietet, um mit Teilnehmern interaktiv gemeinsam zu arbeiten.

Besonders hat mir der Impuls gefallen, unter Verwendung einer sogenannten Dokumentenkamera live zu visualisieren. Da freut sich einfach das Trainerherz, wieder mit den guten alten Stiften aktiv sein zu können. Und für die Teilnehmer ist es auch spannend, die Entstehung eines Charts zu verfolgen. Das ist ja fast schon so wie im „richtigen“ Seminarraum.

Training in kleinere Happen aufteilen

Online-Trainings sind generell in viele kleinere „Happen“ aufgeteilt. Als Coach werde ich deshalb die Online-Trainings wirklich als komplett neue „Produkte“ für unsere Kunden entwickeln. Das fängt an mit dem Ablauf, der sogenannten Dramaturgie. Auch sind die Zeiten im virtuellen Seminarraum deutlich kürzer. Mehr als zwei bis zweieinhalb Stunden am Stück sind oft nicht machbar. Dafür kann man zwei solcher Module auf den Tag verteilen, eines am Vormittag und eines am Nachmittag. Ebenso ist es sinnvoll, die Gruppenstärke kleiner zu halten. Das erleichtert die erforderliche straffe Moderation.

Dafür bieten die neuen Formate für Online-Trainer aus meiner Sicht eine unendliche Vielfalt neuer Möglichkeiten. So kann man zum Beispiel ein zweistündiges Follow-Up einige Wochen nach dem Training anbieten, um die ersten Probleme beim Praxistransfer gemeinsam zu beheben. Für zwei Stunden bin ich früher nicht zum Kunden gereist. Online geht es dagegen deutlich einfacher. Auch lässt die kleinere Stückelung natürlich zu, dass man nur einzelne Teile eines Trainings online durchführt. Der ganze zeitliche und finanzielle Aufwand für Reisen fällt ja weg.

Persönliche Herausforderungen

Also alles Bingo? Natürlich nicht ganz. Die vielen kleinen Gespräche zwischendurch beim gemeinsamen Mittagessen oder in der Kaffeepause fallen weg. Ja, die vermisse ich auch als Online-Trainer. Wobei wir immer auch kurz vor Beginn eines Moduls unseren Smalltalk hatten. Kaffee muss man sich eben selbst organisieren. Und das frische Obst auch.

Aus Teilnehmersicht ist oft neben dem Essen gerade die Reise an den Seminarort das zweite Highlight. Für den Trainer – zumindest für mich persönlich – ist das dagegen oft ein zweischneidiges Schwert. Ich reise gerne, aber beruflich jede Woche unterwegs zu sein, schlaucht auch nach all den Jahren ziemlich. Hier sehe ich einfach online neue Perspektiven, gut gebucht zu sein und eben nicht nur permanent im Hotelbett zu schlafen.

Wichtige Tools für Online-Trainer

In Summe bin ich begeistert und freue mich auf die neuen Möglichkeiten, die Online-Trainings noch bieten. Und Sie, liebe Kunden, werden es auch erfahren – vielleicht sehen wir uns demnächst im Online-Training? Da ich oft im Netzwerk gefragt werde, was denn alles an Ausrüstung für Online-Trainings, Live-Calls oder Online-Meetings wichtig ist, möchte ich noch ein paar ergänzende Tipps geben.

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach die gute Ausleuchtung, also ordentliches Licht. Bitte kein Fenster im Hintergrund, sondern wenn, dann von vorne. Tageslicht leuchtet Ihr Gesicht klasse aus. Sonst kann man gerne auch mit Videolicht arbeiten. Manche bevorzugen Ringlicht (wie z.B. von Walimex), andere Videoleuchten auf Stativ (ich verwende zwei Stück davon), dritte Softboxen (auch hier wieder ein Beispiel von Walimex). Bei Leuchten oder Softboxen bitte am besten zwei Stück kaufen und den Strahler im 45-Grad-Winkel einmal von links, einmal von rechts vorne auf das Gesicht richten. Echte Vollprofis würden jetzt noch die glänzenden Stellen im Gesicht, vor allem die Stirn, kurz mit Puder abdecken. Aber das ist mir zu viel Aufwand fürs Online-Training.

Welche Kamera eignet sich?

Stichwort Kamera. Wenn man die eingebaute Cam im Notebook benutzt, bitte auf den Blickwinkel achten. Meistens ist die Linse etwas tiefer und richtet sich dann von unten auf die Hals- und Kopfpartie. Das ist allerdings nicht nur für Männer mit Doppelkinn eine äußerst uncharmante Perspektive. Empfehlenswerter ist, eine externe Webcam zu benutzen. Gute Erfahrungen gemacht habe ich persönlich mit der Logitech C920.  Wer mehr zu Highend-Produkten tendiert, dem wird die Logitech Brio mit 4K  gute Dienste leisten. Die Verwendung einer Dokumentenkamera als zweite Kamera für die Live-Visualisierung hatte ich ja oben bereits erwähnt.

Wer nicht zuviel Einblick ins eigene Wohnzimmer oder die mehr oder weniger aufgeräumte Umgebung zu Hause geben möchte, stellt hinter sich noch einen „Greenscreen“ auf. Es gibt unterschiedliche Modelle. Der große Fotohintergrund, den man aus dem Studio des Fotografen kennt, ist oft zu aufwändig und braucht extrem viel Platz. Am praktikabelsten ist deshalb entweder eine faltbare Leinwand oder eine zum Hochziehen wie bei einem Roll-Up. Andere Modelle können ähnlich wie eine Jalousie an die Decke montiert werden.  Ich persönlich nutze den zum Hochziehen von Elgato und bin sehr zufrieden.

Auf der Brücke von Raumschiff Enterprise

Der Greenscreen ermöglicht die Verwendung eines virtuellen Hintergrunds. Zoom bietet z.B. schon einige Beispiele, teilweise auch mit Videos. Ich würde aber vom Video abraten, weil es zu viel Unruhe in die Präsentation bringt. Viele Leute nutzen gerne einen Wald als Hintergrund, ein Bergpanorama, eine Frühlingswiese oder ähnliches. Ich habe zum Beispiel einen Blick in meine Heimat, das Inntal, von einem naheliegenden Berggipfel aufgenommen. Im Internet gibt es aber auch unzählige Wallpapers. Darunter auch Fundstücke für Stars Wars Fans oder die Brücke von allen Varianten des Raumschiffs Enterprise, Game of Thrones oder was auch immer.

Stichwort Video-Konferenz-Tools: Ich setze Zoom, Teams von Microsoft oder edudip next  ein. Falls man noch gemeinsam z.B. MindMaps bearbeiten will, empfehlen sich online-Tools, die man etwa über das Teilen des Bildschirms einbindet. Miro ist ein Tool für alle möglichen Anwendungen, ob man nur virtuelle Haftnotizen gemeinsam sammelt oder ein Mindmap zeichnet. Es gibt mittlerweile für fast jeden Zweck mehrere Tools, sogar Gantt-Charts für Projekte kann man online erstellen. Einfach mal googeln! Ansonsten sollte man auch das gute Office365 von Microsoft sowie Google Docs nicht vergessen. Beide bieten hervorragende Möglichkeiten, Teilnehmer gemeinsam an Dokumenten arbeiten zu lassen.

Online Training „Agil führen“

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle, auf unser Online Training „Agil führen“ hinzuweisen. Es zeigt Führungskräften, wie sie auch in Krisensituationen erfolgreich selbstorganisierte Teams orchestrieren können und was für den Erfolg zu beachten ist. Teilnehmer des zweistündigen Moduls erhalten sofort umsetzbare Werkzeuge und profitieren von der Erfahrung als langjährige Coach.

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!

© by Dr. Markus Blaschka 2019

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