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Initiative Q und die Gier nach Gewinn

Man könnte sich an James Bond erinnert fühlen, den Intelligenzquotienten oder auch an das englische Wort queue (engl. für anstehen oder Warteschlange). Mit der „Initiative Q“ des in Israel geborenen Unternehmensgründers, Investors und semi-professionellen Poker-Spielers Saar Wilf, 44, sorgt derzeit nach Bitcoins eine neue Kryptowährung für einen echten Hype im Netz.

Die Tatsache, dass man nur per Einladung ein Eintrittsticket ins Reich der wundersamen Vermehrung der Q-Coins gelangen kann, ließ die Initiative schnell viral gehen. Laut Website werden die Münzen bei einem Start des Netzwerks zu einem Preis freigegeben, der einen stabilen Wechselkurs von etwa einem Q pro Dollar gewährleisten soll. Um Qs zu ergattern, müssen Interessenten sich nur mit ihrem Namen und ihrer E-Mail-Adresse anmelden und danach möglichst viele neue Kunden akquirieren.

„Initiative Q“ im Fokus

Unser Netzwerk-Partner Felix Beilharz, einer der führenden Experten für Online- und Social Media-Marketing, hat das System im Folgenden einmal näher unter die Lupe genommen und kommt dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen: Die „Initiative Q“ schickt sich an, das neue Zahlungssystem der Welt zu werden und lädt anscheinend zum Absahnen ein – „sofern sich Q jemals durchsetzt natürlich“, erklärt der Kölner im folgenden Gastbeitrag mit einem satirischen Seitenhieb.

Aus Marketing-Sicht finde ich den Hype extrem interessant, denn da wurde so einiges richtig gemacht. Deshalb habe ich mir das Vermarktungsschema einmal genau angeschaut und acht Lektionen herausgearbeitet, die die enorme Viralität des Modells erklären. Denn eines steht fest: Q benutzt virales Marketing allererster Güte! Das Ergebnis sind (Stand 27.10.18) schon über 840.000 Interaktionen auf Facebook… Das Prinzip funktioniert also offensichtlich auch hier.

1. Exklusivität- Das Prinzip der Einladung

Was nicht jeder haben kann, will jeder haben. Dieses Prinzip macht sich Q zu Nutze. Rein kommt man aktuell nur auf Einladung. Das macht neugierig, das schafft Begehrlichkeit. Ich bezweilfe, dass allzu viele Teilnehmer genau wissen, worum es bei Q eigentlich geht. Aber mitmachen will man dann doch… schließlich will man zu der exklusiven Gruppe der Eingeweihten bzw. Eingeladenen gehören.

2. FOMO – die „Fear of missing out“

Durch die Exklusivität entsteht bereits der sogenannte FOMO-Effekt, die „Fear of Missing Out“ (Angst, etwas zu verpassen). Man weiß zwar nicht genau, was das ist, was da alle gerade teilen, aber irgendwas mit „das neue Bitcoin“ hat man gelesen, also dieses Mal bloß nicht wieder den Zug zum Reichtum verpassen!

Tatsächlich spielt Q dieses Spielchen noch deutlich weiter. Denn zu verpassen gibt es nicht nur die Exklusivität des Dabeiseins, sondern auch bares Geld. Denn sollte (!) Q jemals ein etabliertes Zahlungssystem werden, werden die Qs in der Rate 1:1 in Dollar einlösbar sein. Es winkt also ein stolzes Sümmchen, je nach Aktivität durchaus eine dreiviertel Million oder mehr. Das darf man doch nicht verpassen!

3. Schneeballsystem – die Pyramide

Nun,  hat man es „geschafft“ und einen Invite ergattert, geht das Rennen erst richtig los. Denn natürlich bleibt es nicht dabei – den richtigen Nutzen bekommt man erst, wenn man weitere Leute zur Initiative Q einlädt. Je mehr, desto besser. Für jeden erfolgreich eingeladenen Nutzer gibt es weitere Qs, so dass die potenzielle Dollar-Summe immer weiter anwächst, je mehr man einlädt. Ich war echt verblüfft, wie viele Leute ihren Q-Link auf Facebook posten, auch unter die Einladungs-Posts von anderen.

Wie es sich für eine gute Pyramide gehört, ist da aber auch noch nicht Schluss. Nein, man bekommt nicht nur für jeden eingeladenen Nutzer Qs, sondern auch für die von diesem erfolgreich Eingeladenen. Je mehr Freunde man also einlädt, desto höher die Chance, dass auch davon wieder einige Freunde einladen und desto schneller ist man reich – zumindest mal an Qs und Erfahrung.

4. Dringlichkeit – Wettlauf gegen die Zeit

Ein besonders genialer Hack liegt in der erzeugten Dringlichkeit des Systems. Denn der Wert, den ein eingeladener Nutzer für den Einladenden hat, ist nicht etwa statisch, sondern nimmt im Laufe der Zeit ab.

Je früher man einsteigt, desto mehr Punkte erhält man für jede Einladung. Wartet man lieber noch eine Woche oder zwei, um zu schauen, wie sich das Ganze entwickelt, wird jede spätere Einladung weniger wert und der potenzielle Reichtum rückt schon wieder in weite Ferne.

Also beeilt man sich lieber. Und da sich das alle denken, entsteht ein enormer viraler Druck, der ganz Facebook, Twitter und sonstige Social Networks überschwemmt.

5. Knappheit – oder doch nicht?

Neben dem Exklusivitäts-Prinzip setzt Q auch auf Knappheit. Man kann nämlich nur fünf Invites vergeben. Sind diese aufgebraucht, hört der Link auf zu funktionieren. Oder? Nein, denn nach wenigen Minuten erscheinen neue Invites, die man vergeben kann (und mit denen man natürlich weitere Punkte sammeln kann). Ist dieser Link aufgebraucht, erscheinen wieder neue.

Ich bin mittlerweile bei 40 erfolgreichen Invites angelangt und es scheint, als ob aktuell Schluss ist. Mehr Punkte kann ich offenbar nur durch Invites meiner „Downline“ bekommen. Mal sehen, ob morgen nicht plötzlich doch wieder mehr Invites offen sind. Invites sind also ein knappes und damit begehrliches Gut. Aber eben nur scheinbar.

6. Gamification – den Spieltrieb wecken

Auch mit dem Gamification-Prinzip spielt die Initiative Q beeindruckend gut. Zu Beginn hat man nur fünf Invites frei. Sind diese aufgebraucht, tauchen, schwupps, neue offene Invites auf. Der Fortschritt wird in einem optisch ansprechenden Balken dargestellt, der aufzeigt, wie viele Invites man noch hat oder braucht. Hier sieht man, wie viel man bereits erreicht hat, wie viel aktuell noch möglich ist und was zukünftig möglich sein wird. Es dürfte tief im Menschen verankert liegen, nur schwer mit einem nur teilweise ausgefüllten Balken zurecht zu kommen, weshalb man sich Mühe gibt, den Balken weiter aufzufüllen. Jäger und Sammler eben. Zumal, wenn ja ein gutes Sümmchen Geld lauert.

7. Vertrauen und das Influencer-Prinzip

Ich gebe es zu: Als ich gehört habe, dass da „einer der Paypal-Gründer involviert“ ist, ist mein Interesse schlagartig gestiegen. Wer schon einmal ein weltumfassendes Zahlungssystem geschaffen hat, schafft das vielleicht noch einmal, oder? Zumindest ist das Grundvertrauen höher. In diesem Fall muss die Person gar nicht namentlich bekannt sein. Die Marke Paypal strahlt so sehr auf die Initiative Q ab, dass diese Person für sehr viele Menschen sicherlich den entscheidenden Trust-Faktor darstellt.

Waren es mehrere oder ein Paypal-Gründer? Welche Rolle hatte der Gründer bei Paypal? Welche Rolle hat er hier? Und wer ist es überhaupt? Das dürfte die meisten Nutzer nicht interessieren – Paypal, also gut. Influencer-Effekt eben.

8. Risikoumkehr als Teilnahmetrick

Was Q und auch die Promotoren immer wieder betonen, ist, dass es ja nichts zu verlieren gibt. Alles, was man preisgibt, ist eine E-Mail und ein Name, sonst nichts. Kein Investment, keine weiteren Daten. Das Risiko ist also minimal. Auf der Gegenseite steht der enorme, mögliche Gewinn, falls Q sich wirklich durchsetzt und alles wirklich wie geplant abläuft.

Die Teilnahme an Q ist also nicht nur risikofrei, das wahre Risiko ist also, NICHT teilzunehmen. Das geht aus vielen der Texte auf der Website und vor allem aus vielen Argumenten der Einladenden deutlich hervor. Auf der Gegenseite steht der enorme mögliche Gewinn, falls Q sich wirklich durchsetzt und alles wirklich wie geplant abläuft.

Auch dieses Prinzip der Risikoumkehr ist nicht neu, sondern wird schon lange im Marketing, vor allem im Tele- und Direktmarketing, eingesetzt. Was hast du zu verlieren? Unsere 7 Geld-Zurück-Garantien, die 14 Boni und die 23 Qualitätsversprechen sind so überwältigend, dass dein Risiko, etwas Tolles zu verpassen, garantiert x-fach größer ist als das Risiko, wenn du dich darauf einlässt. Garantiert.

Felix Beilharz: Meine Meinung zu Q

Glaube ich an den Erfolg von Q? Nein. Bin ich sicher, dass es nicht doch abgeht? Nein. Habe ich meine 380.000 Qs schon für die Altersvorsorge eingeplant? Nein. Ich betrachte den Hype eher aus Marketingsicht – und da finde ich die acht Lektionen äußerst interessant. Ich hoffe, Sie als kritischer Leser auch.

Über den Autor

Felix Beilharz ist „einer der führenden Berater für Online-Marketing“ (RTL) und „einer der bekanntesten Experten für Social Media Marketing“ (Rhein Main Presse). Er trainiert Unternehmen, hält weltweit Vorträge, ist Autor von sieben Büchern und  zehn Buchbeiträgen. Sein aktuelles Buch „Der Online Marketing Manager“ erreichte Platz 17 der Amazon-Bestsellerliste (gesamt). Er unterrichtet an mehreren Universitäten und Hochschulen und ist regelmäßig als Experte in TV, Radio und Print zu Gast.

Foto: Felix Beilharz / www.felixbeilharz.de

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!

© by Dr. Markus Blaschka 2019

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