
Kenne Deine Werte!
Auf einen Blick
Eigene Werte finden bedeutet nicht, eine schöne Liste aufzuschreiben, sondern herauszufinden, welche Werte das eigene Handeln wirklich steuern. Dieser Artikel erklärt zwei häufige Missverständnisse, zeigt eine bewährte Übung zur Wertearbeit und enthält eine vollständige Werte-Liste mit über 170 Begriffen – zum Lesen, Markieren und als PDF zum Herunterladen.
Du sitzt in einem Gespräch, jemand fragt dich: “Was ist dir im Leben wirklich wichtig?” Vielleicht sagst du “Familie” oder “Gesundheit”. Klingt richtig.
Aber dann schaust du auf die letzte Woche zurück. Achtzig Stunden gearbeitet. Die Kinder schlafen schon, wenn du nach Hause kommst. Das Mittagessen fällt seit Monaten aus, du nimmst den Lift schon lange nicht mehr aus Überzeugung, sondern weil du keine Energie mehr hast, die Treppe zu nehmen. An keinem Tag dieser Woche mehr als 2.000 Schritte.
Was wir sagen, das uns wichtig ist, und wonach wir tatsächlich leben, klafft oft weit auseinander.
Das Problem ist nicht, dass wir keine Werte haben. Das Problem ist, dass wir sie selten wirklich kennen.
Zwei Missverständnisse, die sich hartnäckig halten
Das erste: “Ich weiß schon, was mir wichtig ist.”
Vielleicht. Aber die meisten Menschen, die das sagen, können im nächsten Moment nicht mehr als zwei oder drei Begriffe nennen. Und die, die sie nennen, sind oft Werte, die sie bewundern oder von anderen erwarten, nicht unbedingt Werte, nach denen sie selbst leben.
| Das denken viele | Was wirklich stimmt |
|---|---|
| “Ich kenne meine Werte – das sind Ehrlichkeit und Familie.” | Zwei Begriffe sind kein Wertesystem. Wer seine Werte wirklich kennt, kann erklären, warum er in konkreten Situationen so reagiert, wie er reagiert. |
| “Werte sind das, was mir an anderen Menschen wichtig ist.” | Das sind Erwartungen, keine eigenen Werte. Echte Werte zeigen sich im eigenen Handeln. Andere bemerken sie, ohne dass man ein Wort darüber verliert. |
| “Werte ändern sich nicht – die hat man oder hat man nicht.” | Werte sind stabil, aber nicht starr. Der Psychologe Milton Rokeach hat gezeigt, dass Werte sich verändern können, vor allem wenn sich das eigene Selbstbild verändert. |
| “Ich lebe schon nach meinen Werten – ich muss das nicht erst herausfinden.” | Wer 80 Stunden arbeitet und gleichzeitig “Familie” als wichtigsten Wert nennt, lebt im Widerspruch. Den zu erkennen braucht Klarheit, keine Selbstkritik. |
Echte Werte sind das, was andere Menschen in deinem Handeln bemerken können, auch ohne dass du ein Wort darüber verlierst. Jemand, für den Verlässlichkeit ein echter Wert ist, hält Absprachen. Nicht weil er es für richtig hält, sondern weil es sich für ihn falsch anfühlt, es nicht zu tun.
Das ist der Unterschied. Und er ist entscheidend.
Wer seine Werte kennt, merkt es auch umgekehrt. Eine Führungskraft, die Klarheit als echten Wert erkannt hat, führt Meetings anders. Nicht weil sie es gelernt hat, sondern weil es sich für sie falsch anfühlt, eine Stunde zusammenzusitzen und danach nicht zu wissen, wer was bis wann tut. Sie hält das nicht aus und handelt entsprechend. Andere bemerken das, ohne dass sie ein Wort darüber verliert.
Denn wenn du glaubst, Freiheit sei ein wichtiger Wert für dich, aber in Wirklichkeit ist es Sicherheit, dann triffst du Entscheidungen nach dem falschen Kompass. Du weißt dann nicht, warum du unzufrieden bist, obwohl du doch eigentlich das hast, was du wolltest.
Warum Werte kennen einen Unterschied macht
Werte sind wie ein innerer Maßstab. Sie sagen dir, wann etwas stimmt und wann nicht. Sie geben dir Orientierung in Momenten, in denen du nicht weißt, wie du entscheiden sollst. Und sie erklären dir, warum dich bestimmte Situationen so belasten: nämlich dann, wenn ein Wert, der dir wirklich wichtig ist, verletzt wird.
Wer seine Kernwerte kennt, reagiert anders. Nicht schneller, nicht lauter, aber klarer.
Das ist keine Behauptung. Der Sozialpsychologe Shalom Schwartz hat in jahrzehntelanger Forschung in über 40 Ländern nachgewiesen, dass persönliche Werte als handlungsleitende Überzeugungen das Verhalten steuern, konsistent über Situationen hinweg. Wer seine Werte kennt, hat keinen Vorteil weil er mehr nachdenkt, sondern weil er klarer spürt, was für ihn stimmt. Die Wertestudie 2017 der Wertestiftung bringt es auf den Punkt: Werte geben Orientierung genau dann, wenn keine Zeit bleibt, rational alle Handlungsoptionen zu sichten, also in den meisten Situationen des Alltags.
So findest du deine Kernwerte
Geh die Liste weiter unten zügig durch. Nicht überlegen, nicht abwägen, markiere einfach alles, was sich auf Anhieb wichtig anfühlt.
Dann stelle dir bei jedem markierten Wert eine einfache Frage: Was würde passieren, wenn dieser Wert für einen Monat nicht mehr da wäre? Wenn du ihn verletzen müsstest, oder wenn jemand anderes ihn bei dir verletzt?
Je stärker deine emotionale Reaktion auf diese Vorstellung, desto wahrscheinlicher ist es, dass du einen deiner echten Kernwerte gefunden hast.
Dann: Reduziere deine Auswahl auf zwölf Werte. Und wenn du magst, weiter auf sieben. Das sind deine Kernwerte, diejenigen, auf die du im Leben nicht verzichten willst.
Und noch ein Hinweis für diesen Schritt: Behalte nur die Werte, nach denen du tatsächlich handelst oder handeln willst. Nicht die, die du für wichtig hältst, weil sie gut klingen. Der Unterschied lässt sich oft daran erkennen, wie sehr es dich stört, wenn du selbst nicht nach diesem Wert handelst.
Die Werte-Liste
Bevor du loslegst: Du kannst die Liste und die Anleitung auch als PDF herunterladen, praktisch wenn du lieber mit einem Textmarker in der Hand arbeitest.
Lieber im Gespräch als mit einer Liste?
Wesley ist ein digitaler Werte-Coach, der dich in rund 15 Minuten durch eine strukturierte Reflexion führt. Keine Termine, kein Grübeln auf eigene Faust. Wesley stellt die richtigen Fragen, du antwortest, und am Ende hast du mehr Klarheit als nach drei Tagen Nachdenken.
Abgrenzung
Abwechslung
Achtsamkeit
Aktion
Akzeptanz
Anerkennung
Aufmerksamkeit
Ausdruck
Ausgewogenheit
Austausch
Authentizität
Balance
Befreiung
Begeisterung
Bei mir sein
Bequemlichkeit
Berührung
Beständigkeit
Beweglichkeit
Bewegung
Charme
Dazugehören
Disziplin
Dynamik
Effektivität
Effizienz
Ehrlichkeit
Eindeutigkeit
Eine Aufgabe
Einfachheit
Einfluss
Einzigartigkeit
Elan
Empathie
Energie haben
Engagement
Entlastung
Entschlossenheit
Entwicklung
Erfahrungen
Erfolg
Exzellenz
Fairness
Feiern
Flexibilität
Fortschritt
Freiheit
Freude
Freundlichkeit
Freundschaft
Führung
Für mich sein
Geborgenheit
Gebraucht werden
Gegenseitigkeit
Gelassenheit
Genuss
Gerechtigkeit
Geschwindigkeit
Gesehen werden
Gestalten
Gesundheit
Gewissenhaftigkeit
Glaubwürdigkeit
Gleichbehandlung
Glück
Großzügigkeit
Güte
Harmonie
Heilung
Helfen
Herausforderung
Herzlichkeit
Hilfsbereitschaft
Hoffnung
Humor
Individualität
Information
Innerer Frieden
Innovation
Inspiration
Integrität
Intelligenz
Intuition
Klarheit
Kommunikation
Kompetenzen
Kongruent
Kontakt
Kontinuität
Kooperation
Korrektheit
Kreativität
Kultur
Kundenorientierung
Kunst
Lachen
Lebensfreude
Leichtigkeit
Leidenschaft
Leistung
Lernen
Liebe
Loyalität
Luxus
Menschlichkeit
Mitarbeiterorientierung
Miteinander
Mitgefühl
Mitgestalten
Motivation
Mut
Nachhaltigkeit
Nähe
Natur
Neues
Neugier
Offenheit
Optimismus
Ordnung
Organisation
Orientierung
Perfektion
Privatsphäre
Professionalität
Resilienz
Respekt
Rückmeldung
Ruhe
Schmerzfreiheit
Schönheit
Schutz
Selbstbestimmung
Selbstvertrauen
Selbstverwirklichung
Sexualität
Sicherheit
Sinn
Solidarität
Sorgfalt
Soziales Engagement
Spaß
Spiel
Spiritualität
Stabilität
Stärke
Struktur
Sympathie
Tatkraft
Teamgeist
Tiefe
Toleranz
Transparenz
Übereinstimmung
Unabhängigkeit
Ungestörtheit
Unterhaltung
Veränderung
Verantwortlichkeit
Verantwortung
Verbindung zu..
Vergebung
Vergeltung
Vergnügen
Verlässlichkeit
Verstanden werden
Verständigung
Verständnis
Verstehen
Vertrauen
Vielfalt
Vitalität
Wachheit
Wachstum
Wärme
Wertschätzung
Wohlstand
Würde
Zärtlichkeit
Zielstrebigkeit
Zufriedenheit
Zusammenarbeit
Zuverlässigkeit
Hast du deine ersten Werte markiert? Das PDF-Arbeitsblatt gibt dir den nötigen Platz, um in Ruhe weiterzumachen.
Was du mit deinen Kernwerten anfängst
Wenn du deine Kernwerte kennst, hast du einen Maßstab für Entscheidungen, für Beziehungen, für die Frage, ob du gerade in eine Richtung gehst, die sich richtig anfühlt.
Werte erklären nicht alles. Aber sie erklären vieles von dem, was sonst schwer zu erklären ist.
Wenn du deine Werte lieber nicht allein erarbeiten willst, sondern mit einem Sparringspartner, der die richtigen Fragen stellt: Melde dich gerne.
Nächster Schritt: Deine inneren Antreiber kennenlernen
Werte zeigen dir, woran du dich orientierst. Die inneren Antreiber zeigen dir, welche Muster dich dabei bremsen. Der Innere-Antreiber-Selbsttest ist ein ergänzendes Instrument zur Selbstführung und ein sinnvoller nächster Schritt, wenn du verstehen willst, warum du trotz klarer Werte manchmal anders handelst als beabsichtigt.
Häufige Fragen
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was sind persönliche Werte? | Persönliche Werte sind handlungsleitende Überzeugungen, die das eigene Verhalten steuern, oft ohne dass man darüber nachdenkt. Sie zeigen sich darin, wie man entscheidet, reagiert und was einen belastet, wenn es verletzt wird. |
| Wie finde ich meine eigenen Werte heraus? | Am zuverlässigsten durch die emotionale Reaktion: Was stört dich unverhältnismäßig stark, wenn es verletzt wird? Was fehlt dir sofort, wenn es wegfällt? Die Werte-Liste und die Anleitung in diesem Artikel helfen dir dabei. |
| Wie viele Kernwerte sollte ich haben? | Sieben ist eine bewährte Zahl, genug um die eigene Vielschichtigkeit abzubilden, aber nicht so viele, dass keine echte Priorität mehr erkennbar ist. Als Einstieg kannst du mit zwölf arbeiten und dann weiter reduzieren. |
| Können sich Werte im Laufe des Lebens verändern? | Ja. Werte sind stabil, aber nicht unveränderlich. Einschneidende Erfahrungen wie eine neue Führungsrolle, eine Krise oder ein Lebensübergang können dazu führen, dass sich die eigenen Prioritäten verschieben. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Werte regelmäßig zu überprüfen. |
| Was ist der Unterschied zwischen Werten und Zielen? | Ziele sind erreichbar und dann erledigt. Werte sind keine Endpunkte, sie sind Richtung. Du kannst das Ziel “Beförderung” erreichen und trotzdem unzufrieden sein, wenn die neue Rolle keinen Platz für deine Kernwerte lässt. |