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Markus Blaschka – Empathisch-sensible Triade: Empathie, People-Pleasing und Hochsensibilität

Die empathisch-sensible Triade: Empathie, People-Pleasing und Hochsensibilität im Führungsalltag

Vor ein paar Tagen saß ich mit einem Freund im Café. Wir redeten über das, was ihn im Alltag fordert. Irgendwann sagte er: „Weißt du was, ich habe herausgefunden, dass ich hochsensibel bin.“

Es war kein Schock für mich – eher ein Moment der Ehrlichkeit. Zum ersten Mal sprach er offen aus, was er bisher lieber verschwiegen hatte. Genau das ist der entscheidende Punkt: Wer über seine innere Veranlagung spricht, zeigt Bereitschaft, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

In diesem Gespräch kamen drei Themen zusammen, die ich immer wieder im Coaching erlebe: Empathie, Hochsensibilität und People-Pleasing.


Was ist die empathisch-sensible Triade?

Viele kennen die „dunkle Triade“ (Manipulation, Egoismus, Kälte). Später wurde als Gegenpol die „helle Triade“ beschrieben (Mitgefühl, Fairness, Wohlwollen).

Ich beobachte im Alltag eine andere Konstellation: die empathisch-sensible Triade. Sie besteht aus:

  • Empathie – eine Ressource: das Mitfühlen, das Wahrnehmen anderer
  • People-Pleasing – ein Verhalten: es allen recht machen zu wollen
  • Hochsensibilität – eine Veranlagung: eine intensivere Wahrnehmung von Reizen und Emotionen

Diese Kombination kann sehr kraftvoll sein – solange sie in Balance bleibt.


Die Stärke der empathisch-sensiblen Triade

Empathische, sensible Menschen erkennen nonverbale Signale, spüren unausgesprochene Konflikte und schaffen Räume, in denen andere sich sicher fühlen. Gerade in Projekten, in der Beratung oder im Coaching ist das ein entscheidender Vorteil.

Dass es sich nicht nur um ein subjektives Empfinden handelt, zeigen mehrere Studien:

Diese Befunde zeigen: Empathie und Sensibilität sind messbare Faktoren, die auch im Führungsalltag Wirkung entfalten.


Die Risiken im Ungleichgewicht

Doch die gleiche Mischung kippt leicht:

  • People-Pleasing führt zu Überlastung, wenn aus Freundlichkeit ein ständiges Ja-Sagen wird.
  • Hochsensibilität kippt in Erschöpfung, wenn Reize ungefiltert einströmen.
  • Empathie erschöpft, wenn sie ohne Grenzen ausgeübt wird.

Das ist auch empirisch belegt:

  • Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu „Empathy and burnout“ zeigt, dass dauerhafte Empathiebelastung mit höherem Risiko für depressive Symptome und Angst verbunden ist.
  • Eine weitere Studie weist darauf hin, dass Hochsensible (HSP) besonders bei den Dimensionen „ease of excitation“ und „low sensory threshold“ eine höhere Anfälligkeit für Stress und Überforderung haben.
  • Eine Prävalenzstudie fand bei 29 % der Teilnehmenden eine hochsensible Ausprägung, verbunden mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Angst und depressive Symptome.

Fazit: Die Risiken sind nicht eingebildet, sondern real.


Selbstführung als Schlüssel

Der entscheidende Hebel liegt in der Selbstführung. Wer die empathisch-sensible Triade in Balance halten will, braucht klare Leitplanken:

  • Eigene Prioritäten kennen – sonst bestimmen andere, was wichtig ist.
  • Grenzen setzen – ein Nein ist manchmal die ehrlichste Form von Ja.
  • Empathie bewusst steuern – nicht jede Stimmung im Raum muss übernommen werden.

Das Bild dazu ist eindeutig: Im Flugzeug setzt du zuerst die Sauerstoffmaske auf – erst dann kannst du anderen helfen.

Auch dazu gibt es Forschung: Eine Übersicht von Wolf et al. (2022) zeigt, dass akuter Stress Empathie blockieren kann – wer unter Druck steht, hat weniger Zugang zur eigenen empathischen Kapazität.


Zwei Übungen für den Alltag

  1. Beobachte dein automatisches Ja-Sagen. Fällt dir auf, dass du zustimmst, bevor du nachgedacht hast? Halte kurz inne.
  2. Sage dir bewusst: „Ich entscheide mich jetzt zuerst für mich.“ Diese kleine Unterbrechung verschiebt den Fokus – und schafft innere Freiheit.

Vertiefung & Ressourcen


Fazit

Die empathisch-sensible Triade ist keine Schwäche. Sie ist eine besondere Kombination von Ressource, Verhalten und Veranlagung. Mit klarer Selbstführung wird sie zur Stärke – im Führungsalltag ebenso wie im persönlichen Leben.


FAQ

Was unterscheidet Empathie von People-Pleasing?

Empathie bedeutet, Gefühle anderer wahrzunehmen. People-Pleasing bedeutet, diese Gefühle ständig bedienen zu wollen – oft auf Kosten der eigenen.

Kann man Hochsensibilität „wegtrainieren“?

Nein. Hochsensibilität ist eine Veranlagung, kein Defizit. Entscheidend ist der bewusste Umgang damit.

Wie erkenne ich, ob ich in der empathisch-sensiblen Triade stecke?

Wenn du hochsensibel bist, stark mitfühlst und gleichzeitig oft Ja sagst, obwohl du Nein meinst, erlebst du diese Triade vermutlich im Alltag.