Warum deine Neujahrsvorsätze am 17. Januar sterben werden
Und was du stattdessen tun kannst: Drei Strategien für echte Veränderung durch Selbstführung.
Inhaltsverzeichnis
- Die Fitnessstudio-Wahrheit
- Lieber schauen statt lesen? (Video)
- Warum der Silvester-Hype nicht funktioniert
- Drei Bewegungen statt Vorsätze
- Was ich konkret anders mache
- Selbstführung: Die Kernbotschaft
- 10 Reflexionsfragen für dich
- Fazit: Reflexion statt Vorsätze
- FAQ: Häufige Fragen
Die Fitnessstudio-Wahrheit
3. Januar, 7:15 Uhr. Du findest keine freie Hantelbank. Die 20-Kilo-Scheiben sind alle weg. Im Freihantelbereich stehen Menschen, die du noch nie gesehen hast.
17. Januar, 7:15 Uhr. Alles wieder da. Du hast die Hantelbank für dich allein.
Das ist keine Statistik. Das ist ein Naturgesetz. Neujahrsvorsätze haben eine Halbwertszeit von zwei bis drei Wochen. Dann kommt der Alltag. Dann kommt irgendwas dazwischen.
Und dann ist es wieder wie vorher.
Ich schreibe dir heute nicht, um dir neue Vorsätze zu verkaufen. Ich schreibe dir, weil ich diesen ganzen Jahreswechsel-Zirkus nicht mehr hören kann.
Lieber schauen statt lesen?
Hier ist das Video zum Artikel (ca. 6 Minuten):
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Warum der Silvester-Hype nicht funktioniert
Dieses kollektive „Huuuu, das Jahr war wieder sooo schlimm!” – während wir gleichzeitig vergessen, was alles gut war.
Dieses hektische Projizieren von Wünschen ins neue Jahr, als ob der 1. Januar magische Kräfte hätte.
Hat er nicht.
Der 1. Januar ist ein Tag wie jeder andere. Der Unterschied liegt nicht im Datum. Er liegt in dem, was du tust. Heute. Morgen. Übermorgen.
Drei Bewegungen statt Vorsätze
Ich habe in den letzten Jahren viel an mir gearbeitet. Vor allem an meinem People-Pleasing – das habe ich massiv reduziert. Ich erlaube mir heute, eine Stimme zu haben. Und ich akzeptiere, dass ich damit nicht jedem gefallen werde.
Das war ein Prozess. Kein Neujahrsvorsatz.
Drei Dinge haben mir dabei geholfen:
1. Loslassen
Ich habe Gewissheiten losgelassen, die keine mehr sind.
Die Gewissheit, dass Demokratie ein Automatismus ist. Ist sie nicht – auch nicht im eigenen Land. Die rechten Kräfte sind so stark wie nie. Wir müssen ihnen entgegentreten. Klarheit bedeutet auch: Position beziehen.
Die Gewissheit, dass Wohlstand immer weiter wächst. Tut er nicht.
Die Annahme, dass mein Geschäft auch in 20 Jahren automatisch gut läuft. Wird es nicht – zumindest nicht automatisch.
Gleichzeitig wünsche ich mir mehr Demut. Demut gegenüber dem, was meine Generation erleben durfte: vermutlich die längste Phase von Frieden und Wohlstand in Europa. Als queerer Mensch: eine Gleichstellung, die vor 30 Jahren undenkbar war.
Das anzuerkennen ist keine Schwäche. Es ist der Grund, jetzt zu verteidigen, was mir wichtig ist.
2. Klarheit gewinnen
Ich sage öfter Nein. Zu bestimmten Themen. Zu bestimmten Menschen. Zu Einladungen, die mich Energie kosten, ohne etwas zurückzugeben.
Nicht über jedes Stöckchen springen, das mir hingehalten wird. Meine Energie gehört dem, was ich aufbaue – nicht dem, wogegen ich kämpfe.
3. Ankommen
Bei dem, was trägt.
Ich nenne die Menschen, die mich nähren, meinen Inner Circle – nach dem Roman von T.C. Boyle über den Forscher Alfred Kinsey. Oder auch meine Ohana, das hawaiianische Wort für die erweiterte Familie.
Diese Menschen sind erstaunlich stabil geblieben. Was sie verbindet: Sie haben einen klaren Kompass. Werte, nach denen sie leben. Und wir lassen uns gegenseitig sein – auch wenn wir nicht in allem einer Meinung sind.
Was ich konkret anders mache
Quartalsziele statt Jahresziele. Ein Jahr ist zu lang, zu unüberschaubar in einer Welt, die nicht mehr nur unsicher ist, sondern brüchig und angstgetrieben. Drei Monate kann ich überblicken. Ein Jahr nicht mehr.
Wochenzeitung statt Tageszeitung. Ich lese jetzt die Zeit statt der Süddeutschen. Weniger Rauschen, mehr Einordnung. Was wirklich wichtig ist, erfahre ich auch so – ohne jeden Tag den nächsten Wahnsinn mitzubekommen.
Rückzug und Zeit für mich. Ich gehe gerne in Gesellschaft. Aber ich brauche auch lange Zeiten, in denen ich nur mit mir unterwegs bin. Zur Ruhe kommen. Wieder bei mir ankommen. Das ist kein Luxus – das ist Notwendigkeit.
Selbstführung: Die Kernbotschaft
Du bist der Projektleiter deines inneren Teams. Du orchestrierst. Du führst. Auch nach innen.
Und du entscheidest, wer Zugang zu dir bekommt – und wie weit dieser Zugang geht.
Ich nutze im Coaching gerne die Metapher vom Gartenzaun: Hast du überhaupt einen Zaun um dein Grundstück? Oder können Menschen einfach reinspazieren, wann immer sie wollen?
Wer kommt regelmäßig bis an deine Haustür? Wer steht plötzlich im Wohnzimmer? Und wie schaffen die das?
Selbstführung kann man nicht delegieren. Man kann sie nur leben.
10 Reflexionsfragen für dich
Keine Vorsätze. Nur ein paar Fragen, die du dir stellen kannst. Wann immer du willst. Nicht nur am 1. Januar.
- Was sind Gewissheiten, an denen du festhältst – obwohl sie längst keine mehr sind?
- Wo sagst du noch Ja, obwohl dein Bauch längst Nein schreit?
- Welche Menschen nähren dich wirklich? Und welche kosten dich nur Energie?
- Was hast du erreicht – und wann hast du das zuletzt gewürdigt?
- Wer kommt regelmäßig bis in dein „Wohnzimmer” – und wie haben die das geschafft?
- Was wärst du bereit zu verteidigen – und tust du es auch?
- Was sagst du, dass dir wichtig ist – und was lebst du wirklich? Deine Werte erkennst du an deinem Handeln, nicht an deinen Worten. Und meistens sehen andere das klarer als du selbst.
- Wann hast du dir zuletzt echten Rückzug gegönnt? Zeit nur für dich?
- Welche leisen Stimmen in dir kommen zu selten zu Wort?
- Was würde sich ändern, wenn du das große Abenteuer wagst, du selbst zu sein?
Fazit: Reflexion statt Vorsätze
Reflexion ist kein Sprint im Januar. Sie ist ein Dauerlauf. Ein Prozess, der nie aufhört.
Selbstführung fängt bei dir an. Nicht bei Vorsätzen. Nicht bei Stichtagen. Bei dem, was du heute tust.
Wenn du das Gefühl hast, dass du mehr Klarheit brauchst – in deiner Rolle, in deinen Grenzen, in deiner Selbstführung – dann lass uns reden.
Nicht weil Januar ist. Sondern weil es Zeit ist.
Dein Markus
FAQ: Häufige Fragen zu Neujahrsvorsätzen und Selbstführung
Warum scheitern Neujahrsvorsätze so oft?
Neujahrsvorsätze scheitern, weil sie meist auf einem willkürlichen Datum basieren statt auf echter innerer Bereitschaft zur Veränderung. Dazu kommen unrealistische Ziele, fehlende konkrete Umsetzungsstrategien und der Irrglaube, dass Motivation allein ausreicht. Echte Veränderung braucht einen kontinuierlichen Prozess der Selbstreflexion – nicht einen magischen Starttermin.
Was ist Selbstführung?
Selbstführung bedeutet, bewusst Verantwortung für das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen. Du bist der Projektleiter deines inneren Teams: Du entscheidest über deine Prioritäten, setzt Grenzen und richtest dein Leben an deinen Werten aus. Selbstführung ist die Grundlage, um andere authentisch führen zu können.
Wie kann ich besser Nein sagen lernen?
Nein sagen beginnt mit Klarheit über die eigenen Werte und Prioritäten. Frag dich: Was ist mir wirklich wichtig? Welche Einladungen, Aufgaben oder Menschen kosten mich Energie, ohne etwas zurückzugeben? Übe, kleine Neins zu sagen, bevor du dich an die großen wagst. Und akzeptiere: Nicht jedem zu gefallen ist kein Makel – es ist ein Zeichen von Selbstführung.
Was ist die Gartenzaun-Metapher?
Die Gartenzaun-Metapher beschreibt persönliche Grenzen. Stell dir dein Leben als Grundstück vor: Hast du einen Zaun darum? Ist das Gartentor offen oder geschlossen? Wer darf bis zur Haustür kommen – und wer steht plötzlich ungefragt im Wohnzimmer? Diese Metapher hilft, sich bewusst zu machen, wie weit andere in den eigenen Raum vordringen dürfen.
Warum sind Quartalsziele besser als Jahresziele?
Ein Jahr ist in der heutigen Zeit zu lang und zu unüberschaubar für verbindliche Planung. Quartalsziele bieten einen überschaubaren Horizont von drei Monaten, in dem du konkrete Fortschritte messen und bei Bedarf nachjustieren kannst. Sie passen besser zu einer Welt, die brüchig, schnelllebig und schwer vorhersagbar geworden ist.
Was bedeutet Ohana?
Ohana ist hawaiianisch und bedeutet „Familie” im erweiterten Sinn – also nicht nur Blutsverwandte, sondern alle Menschen, mit denen du dich tief verbunden fühlst. Dein Inner Circle, die Menschen, die dich nähren und bei denen du sein kannst, wie du bist. Diese Beziehungen bewusst zu pflegen ist ein wesentlicher Teil von Selbstführung.
Wie erkenne ich meine echten Werte?
Deine echten Werte erkennst du nicht an dem, was du sagst, sondern an dem, was du tust. Schau auf dein Handeln: Wofür nimmst du dir Zeit? Wofür gibst du Geld aus? Was verteidigst du? Oft sehen andere Menschen klarer als wir selbst, welche Werte wir tatsächlich leben. Frag jemanden aus deinem Inner Circle – die Antwort könnte überraschen.
Wie fange ich mit Selbstreflexion an?
Starte mit einer einzigen Frage, die dich beschäftigt – zum Beispiel: „Wo sage ich noch Ja, obwohl mein Bauch Nein schreit?” Nimm dir 10 Minuten, schreib deine Gedanken auf, ohne zu bewerten. Selbstreflexion muss nicht kompliziert sein. Wichtig ist nur: regelmäßig machen, nicht nur am 1. Januar.
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