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Endlich ankommen – Wie es gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen

Wie Kriegsenkel heute ihr biographisches Erbe erkennen und nutzen: Dieser Frage geht die als Psychotherapeutin und Coach tätige Autorin Ingrid Meyer-Legrand in ihrem Buch über „Die Kraft der Kriegsenkel“ nach. Anläßlich einer Lesung in München habe ich Ingrid vor gut einem halben Jahr persönlich kennen- und schätzengelernt und darüber auch im Blog geschrieben. Das Thema, wie verdrängte und über Generationen unbewusst weitergegebene Traumata die eigene Biographie prägen und beeinflussen können, kommt auch in meiner Arbeit als Coach mit Klienten immer wieder hoch. Sehr erhellend im Buch von Ingrid finde ich den Ansatz, dass der Problematik der Kriegsenkel-Generation auch eine besondere Kraft innewohnt, Probleme anzugehen und Konflikte zu lösen.

Da Ingrid als Netzwerk-Partnerin demnächst wieder ein Seminar anbietet, wie es gelingt, selbst gesteckte Ziele tatsächlich zu erreichen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ihre Arbeit und Erkenntnisse in Interviewform einem größeren Leserkreis vorzustellen.

Wie bist Du auf das Thema Kriegsenkel und deren Traumata gestoßen? Gab es eine persönliche Betroffenheit?

Ingrid Meyer-Legrand: Genau wie bei anderen Kriegsenkeln, gibt es auch bei mir eine persönliche Betroffenheit. Wie viele Eltern dieser Generation musste meine Mutter mit 13 Jahren aus Pommern fliehen und ist sicherlich dadurch traumatisiert worden. Das heißt, dass auch ich mit dem ins Private abgeschobenen Leid, das durch den Nationalsozialismus (NS), die Verfolgung Andersdenkender, den Krieg sowie durch Flucht und Vertreibung verursacht wurde, schon früh konfrontiert war. Die Auswirkungen des NS auf die Kriegskinder haben auch deren Nachkommen, die Kriegsenkel, maßgeblich geprägt. Im öffentlichen Diskurs kam das Leid der Kriegskinder – also der Eltern der Kriegsenkel – nicht vor, weil es im Land der Täter keine Opfer geben durfte. Das hat sich mittlerweile verändert.

Worin liegen denn die Hauptproblempunkte, mit denen Kriegsenkel zu kämpfen haben?

Meyer-Legrand: Kriegsenkel haben gespürt, dass ihre Eltern, die im Krieg Bombenterror, Flucht, Kinderlandverschickung, die Verfolgung Andersdenkender und andere Schrecken miterlebt haben, in Not sind. Sie haben sie als emotional „besetzt“ erlebt, ohne zu wissen, wovon. Den Zusammenhang zwischen NS, Krieg und Trauma kannten sie selbstverständlich nicht. Aber sie haben alles dafür getan, dass die Not der Eltern gelindert wird. Das hat dazu geführt, dass sie Eltern für ihre Eltern wurden. So haben sie schon sehr früh Verantwortung für sich und die gesamte Familie übernommen. Das ist für Kinder und Heranwachsende durchaus eine leidvolle Erfahrung und hat viele Kriegsenkel überfordert. Andererseits könnten sie hier auch Kompetenzen entwickelt haben, über die sie bis heute verfügen. Ein Ausdruck ihrer spezifischen Kompetenz sehe ich darin, dass die westdeutschen Kriegsenkel in den 1970er-Jahren begonnen haben, neue Lebensmodelle zu entwickeln.

Spielten dabei auch Erfahrungen mit dem Ende des DDR-Staates eine Rolle?

Meyer-Legrand: Sicher. Bei Kriegsenkeln, die in der DDR sozialisiert worden sind, muss man neben der Traumatisierung ihrer Eltern durch den Nationalsozialismus noch die besonderen Herausforderungen berücksichtigen, die der autoritäre Staat mit sich gebracht hat. Vielfach erleben die Kriegsenkel-Ost ihre Eltern auch  aufgrund der als imperialistisch erlebten Politik des Westens als abgehängt und gekränkt. Das kann eine Ablösung vom Elternhaus und eine Hinwendung zum eigenen Leben erschweren.
In der biografischen Arbeit frage ich danach, welche Kompetenzen sich aus dieser besonderen Situation des Aufwachsens entwickelt haben. Die Kriegsenkel-Jahrgänge waren maßgeblich am Sturz der SED-Regierung beteiligt: Wie nutzen sie ihre „Wende“- oder „Friedliche-Revolutionskompetenz“ heute?
Das heißt, die Kriegsenkel haben nicht nur diese verbrecherische Geschichte und deren Auswirkungen im biografischen Rucksack. Sie haben zugleich auch „ihre Zeit“ gestaltet und damit der jeweiligen Gesellschaft ein ganz neues Profil verliehen. Die Bundesrepublik Deutschland ist ohne die „Neue Soziale Bewegung“ der  1970er-Jahren und der Kriegsenkel-Jahrgänge genauso wenig denkbar wie die „Wende“ ohne die Kriegsenkel-Ost.

Du schreibst, dass ein Grundzug dieser Generation ist, noch nicht angekommen zu sein.

Meyer-Legrand: Das ist richtig. Viele haben sich weit entfernt von einer Normalbiografie mit den vorhersehbaren Phasen wie Schule, Ausbildung, Beruf und Rente. Stattdessen haben sie die Chancen der offenen Gesellschaft genutzt, sich weit aus ihren alten Milieus hinausbewegt und studiert. Sie sind ins Ausland gegangen, haben alte Lebensmodelle hinter sich gelassen, Neues ausprobiert und zum Teil beachtliche Karrieren hingelegt. Im Zuge einer rasanten Beschleunigung unserer Gesellschaft stehen bisherige Modelle des Zusammenlebens- und Arbeitslebens bis heute auf dem Prüfstand und verschwinden womöglich, ohne dass es dafür schon neue Modelle gäbe. Daraus folgt, dass sich die Einzelnen immer wieder neu erfinden dürfen, aber auch müssen. Vor diesem Hintergrund herrscht bei den Kriegsenkeln oftmals das Gefühl vor, nicht recht angekommen zu sein, so dass sie sich fragen: Wo ist mein Platz? Wie kann ich endlich beruflich und privat ankommen?

Bei vielen Kriegsenkeln ist es zum Teil anders gelaufen, auch aufgrund ihrer besonderen Rolle in der Familie. Sie sollten die „Kerze der Erinnerung“ hochhalten, aber auch studieren, weil ihre Eltern es nicht konnten. Das führte zu ambitionierten Lebensprojekten. Sie verfügen oft über mehr als eine Ausbildung bzw. ein Studium und über unzählige Weiterbildungen. Aber es hat sie in gewisser Weise mit allen Chancen und Risiken auch wurzellos gemacht.

Du weist mit der „Kraft der Kriegsenkel“ einen positiven Weg aus dem Dilemma. Worin liegen diese besonderen Stärken begründet?

Meyer-Legrand: Für mich sind diese einschneidenden zeitgeschichtlichen und familienbiografischen Ereignisse unter der Fragestellung interessant: Was haben die Einzelnen in speziellen biografischen Phasen im Elternhaus oder in bzw. mit ihrer Generation erlebt? Welcher „Zeitgeist“ hat sie beflügelt, ihr Leben immer wieder neu zu erfinden? Und was haben sie aus diesen besonderen Erfahrungen gelernt? Zu welchen ExpertInnen sind sie in der Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen geworden?

Kannst Du ein Beispiel dafür nennen?

Meyer-Legrand: Gerne. Wie schon ausgeführt, ist die Zeit zwischen 1970 und 1990 ganz entscheidend von der Generation der Kriegsenkel-West mitgeprägt worden. Aus dem Erlebnis beengter Familienverhältnisse heraus mit oftmals als „hart“ erlebten Müttern oder „schroffen“ Vätern, die ihre Traumata nicht bearbeiten konnten, entwickelten die Kriegsenkel neue Lebensmodelle. Das reicht von einer Aufhebung der scharfen Trennung zwischen Privat- und Berufsleben über die antiautoritäre Erziehung bis hin zum Job, der Sinn und Spaß machen soll. Das, was damals radikal war, ist für die heutige Generation Y, den Kindern der Kriegsenkel, etwas ganz Normales, was sich etwa an der Selbstverständlichkeit festmachen lässt, mit der junge Väter heute Elternurlaub nehmen.

Mit dem My Life Storyboard bietest Du als Coach und Psychotherapeutin einen Ansatz, das Thema konstruktiv aufzuarbeiten. Wie sind Deine Erfahrungen damit?

Meyer-Legrand: Im My Life Storyboard nehmen wir besondere biografische Phasen in den Fokus unter der Fragestellung: Was habe ich in Elternhaus, Schule, in bzw. mit meiner Generation etc. gelernt und wie kann das, was ich dort gelernt habe, zur Lösung meiner aktuellen Frage beitragen? So können die biografischen Erfahrungen zu einer Goldgrube von ganz besonderen Kompetenzen werden. Viele haben etwa in ihrer Herkunftsfamilie gelernt, Verantwortung zu übernehmen und haben sich und die ganze Familie gemanagt. Es ließe sich fragen: Wie könnte ich diese Erfahrung für meinen derzeitigen Führungsjob nutzen? Ich war erstaunt zu erfahren, wie viele Führungskräfte, mit denen ich gearbeitet habe, diese Erfahrung im biografischen Gepäck haben!

Viele Führungskräfte aus diesen (Kriegsenkel-)Jahrgängen – die meisten finden wir unter den Babyboomern Mitte der 1960er – haben ihr soziales Milieu verlassen, sind aber nicht richtig in den Führungsetagen angekommen. Auch hier ist eine biografische Reflexion sinnvoll, um die eigenen Vorstellungen von Arbeit, die in einem spezifischen Milieu geprägt wurden, überhaupt einmal kennen zu lernen. Oftmals gelingt auch ein berufliches Weiterkommen nicht, weil man die weniger erfolgreichen Eltern nicht entäuschen will. Loyalität mit dem Leid bzw. mit der Situation der Eltern spielt eine große Rolle. Werden diese (Lebens-)Themen einmal sichtbar, werden zugleich auch die Kompetenzen, die mit diesem besonderen Aufwachsen verbunden sind, greifbar und können für die aktuelle Frage genutzt werden.

Sehr neugierig bin ich auf die besonderen Kompetenzen, die Kriegsenkel entwickelt haben, die in der DDR sozialisiert worden sind. Ende Juni werde ich in einem Seminar, das ich in Naumburg am SINN durchführe, Gelegenheit haben, systematisch dieses den jeweiligen Erfahrungen innewohnende Potential zu erfragen: Welches Potential birgt die Wende- und Friedliche-Revolution-Erfahrung? Welches Potential birgt die sicherlich leidvolle Erfahrung, dass sie in gewisser Weise ihr Land verloren haben? Und wie ließe sich die, in dieser Auseinandersetzung gewonnene Fähigkeit etwa für den eigenen beruflichen Erfolg nutzen?

Stehen dabei nur persönliche Fragestellungen im Vordergrund?

Meyer-Legrand: Ja, wir nehmen die aktuellen, persönlichen Fragen in den Fokus, behandeln sie aber eben nicht nur aus individueller oder familiendynamischer Perspektive. Die Zeitlinienarbeit My Life Storyboard, die ich mit den Kriegsenkeln entwickelt habe, ermöglicht es, Biografien unter der Fragestellung zu erforschen, welchen Einfluss diese großen geschichtlichen Ereignisse bis heute auf die Biografie der Kriegsenkel haben. Welche Kraft konnten die Einzelnen aus diesen Herausforderungen entwickeln und für ihr eigenes Leben nutzbar machen? Das heißt: Die eigene Biografie wird in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang gestellt und daraufhin untersucht, wer oder was an dem eigenen Weg beteiligt war und welche gesellschaftlichen Optionen die Einzelnen für sich genutzt haben. Das setzt Kraft frei und trägt oftmals zur Versöhnung mit dem eigenen, manchmal „krummen“ Lebensweg bei.

In Deinem neuen Live-Call geht es um das Thema „Endlich ankommen – Wie es gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen“. Worum wird es dabei gehen?

Meyer-Legrand: Viele erlauben sich nicht, ihren eigenen Weg zu gehen bzw. ihre Ziele zu erreichen, weil sie meinen, dann das Leid ihrer Eltern zu verraten. Sie erleben ihre Eltern als weniger erfolgreich und häufig auch als wenig glücklich. Oftmals ist es diese Loyalität zu den Eltern, die sie „nicht ankommen“ lässt. Wichtige Fragen in Bezug auf Veränderung bzw. Ziele erreichen sind mit Einschränkung die, die sich um „Zugehörigkeit“ drehen. „Zu wem werde ich, wenn ich mein Ziel erreicht habe?“ und „Zu wem gehöre ich dann?“ Das sind für mich Schlüsselfragen, die im Hintergrund aktiv sind, wenn es um Probleme mit Erfolg bzw. dem Erreichen von Zielen geht. Gerade für diejenigen, die ihr soziales Milieu verlassen haben, gibt es die Befürchtung als „Schlips- und Kragen-Typ“ oder als erfolgreiche Geschäftsfrau nicht mehr zur Familie zu gehören. In dem Online Training „Endlich ankommen – Wie es gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen“ werden Schritte aufgezeigt, wie es gelingt, sowohl loyal mit dem Schicksal der Eltern zu sein als auch den eigenen Weg erfolgreich zu gehen.

Der Live-Call findet statt, am 25.6.18, 19 Uhr. Anmeldung über meine Mail-Adresse: mailto(at)meyer-legrand.eu,
Stichwort: Endlich ankommen – Wie es gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen.

Dr. Markus Blaschkas Tipp:

Als Projektleiter bin ich für das gesamte Projekt verantwortlich, muss aber nicht selbst alles erledigen!

© by Dr. Markus Blaschka 2019

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